09. März 2010,
Der Trainer des Eishockey- Bayernligisten ECDC Memmingen stand am Wochenende Rede und Antwort, und lies gemeinsam mit der Redaktion des “Face-Off- Stadionmagazins” die abgelaufene Spielzeit Revue passieren.
FO: Herr Tenschert, nachdem die Verantwortlichen einen qualitativ guten Kader zusammenstellten, wuchsen die Hoffnungen der Fans auf eine erfolgreiche Spielzeit.
Bereits in der Vorbereitung kam die Ernüchterung….
Werner Tenschert: Die Vorbereitung sollte man nicht überbewerten, sie war aber natürlich nicht so wie wir uns sie vorgestellt hatten. Wir hatten in Memmingen ein gutes Trainingslager und dachten eigentlich schon, dass das Team weiter sei. Es waren natürlich gegen Pfronten und Lindau Heimspiele dabei, die schlecht gelaufen sind. Mit solchen Niederlagen wächst natürlich der Unmut des Publikums. Zu dem Zeitpunkt hat es einfach noch nicht gepasst.
FO: Dann kam der Saisonstart mit einer Niederlage in Dorfen. Dann aber folgten beinahe berauschende Wochen. Wie ist es zu erklären, dass die Mannschaft beispielsweise in Höchstadt (9:2) und zuhause gegen Peißenberg (4:2) plötzlich so tolles Eishockey bot?
WT: Vorbereitung ist das Eine, Meisterschaft das Andere. Dieses Phänomen ist nicht nur in Memmingen zu beobachten. Natürlich hätten wir gerne eine bessere Vorbereitung gespielt, vor allem auch vor eigenem Publikum. Als es näher zu Saisonstart ging gab es dann auch Siege gegen Königsbrunn und sehr deutlich in Pfronten. Man hat gesehen, dass die Mannschaft einfach die Zeit gebraucht hat. Viele gute Einzelspieler mussten noch zu einem Team zusammenwachsen.
FO: Dann ging es los….
WT: Gut in Dorfen haben wir uns schon immer sehr schwer getan. Doch dann war es zwischenzeitlich fast ein Selbstläufer. Das nötige Glück hatten wir dann auch, wie beispielsweise beim Penaltysieg in Bayreuth. Nach der durchwachsenden Vorbereitung war es dann für die Mannschaft natürlich eine Bestätigung. Sie hat dann zeigen können was in ihr steckt, welches Potenzial da ist.
FO: Dann folgten echte Eishockeyfeste. Heimsiege gegen Buchloe, Schweinfurt und natürlich gegen Sonthofen. Nach dem Rausch kam dann allerdings der Kater, warum gelang es der Mannschaft letztlich erst mit dem Trainerwechsel sich wieder zu fangen?
WT: Es lief sicherlich Phasenweise wie am Schnürchen, doch dann kamen die ersten Rückschläge. Es begann alles Ende November/ Anfang Dezember mit einer normalen Grippewelle. Erst ist uns der Jimmy Nagle und Tim Tenschert ausgefallen, dann kamen die Verletzungen von Martin Löhle und Daniel Pfeiffer.
Das sind Spieler die wir nicht so einfach ersetzten konnten. Wir spielten dann zweimal an an einem Wochenende gegen Selb, was letztendlich die beste Mannschaft der Liga war. Da hatten wir mit dem Spielplan einfach Pech. Nach den beiden Niederlagen war dann der Wurm drin. Wir kamen einige Wochen nicht recht auf die Beine.
FO: Nach der Niederlage in Sonthofen haben die Verantwortlichen gehandelt und Klaus Micheller von seinen Aufgaben entbunden. War es dann für sie gleich klar, dass sie zum Cheftrainer aufrücken?
WT: Nein, mir war das nicht klar. Wir haben immer gesagt, dass wir das zusammen machen.
Unser Vereinsvorsitzende Helge Pramschürfer hat mit gegenüber eine Woche vorher schon etwas angedeutet. Ich hab ihm dann gesagt, er solle nicht voreilig handeln. Er wollte dann das Spiel in Sonthofen abwarten, was dann kräftig in die Hose ging. Der Vorstand hat dann schnell gehandelt, ohne nochmals mit mir Rücksprache zu halten. Im Sinne des Memminger Eishockeys und vor allem wegen der Mannschaft habe ich dann nach kurzer Bedenkzeit das okay gegeben.
Zu dem Spiel beim ERC: Uns ging es dort genau wie Sonthofen bei uns, es gab schnelle Tore für das Heimteam, und der Gast brachte erst keinen Fuß aufs Eis. Dann wurde clever der Vorsprung verwaltet und ausgebaut.
FO: Betrachtet man die Ergebnisse, kommt man schnell zum Schluß, der Trainerwechsel war notwendig. Sehen sie das auch so?
WT: Im nachhinein ja. Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.
Die Mannschaft hat einfach unter Wert gespielt, das hatte weder das Team, die Trainer noch die Zuschauer verdient. Natürlich kamen da dann Gedanken an die Vorbereitung wieder.
Solange man gewinnt ist alles schön und gut, doch dann konnten wir das Ruder nicht schnell genug herum reissen. Martin Löhle hat uns 4 Wochen gefehlt, DanielPfeiffer 3 Wochen, Jimmy Nagle auch 2 Wochen. Deswegen mussten wir auf eine starke 2. Reihe mit Dolezal und Kerber bauen, was im Nachhinein nicht gereicht hat. Damit kann man in der starken Liga nicht bestehen. Meines Erachtens hat man da auch den Jimmy ziemlich in der Luft hängen lassen, weil seine Nebenleute gefehlt haben.
Es hat erst wieder gefruchtet, als er wieder adäquate Mitspieler hatte, Martin Löhle kam wieder zurück, und Mike Dolezal rückte in seine Reihe.
FO: Nochmal zum Trainerwechsel. Was Konkret haben sie anders gemacht?
Gab es schon, als der Klaus noch im Amt war, Dinge die sie als falsch erachtet haben?
WT: Wie gesagt, mir haben die Reihen so nicht mehr gefallen. Dort habe ich dann den Hebel angesetzt. Ich muss da aber den Klaus auch in Schutz nehmen, wir waren durch die Verletzungen und Krankheiten immer wieder gezwungen die Reihen umzustellen.
Bei unserem sehr dünnen Kader sind solche Ausfälle nicht zu kompensieren.
FO: Können sie Rückblickend sagen, dass sie mit den unter ihrer Leitung gezeigten Leistungen zufrieden sind?
WT: Über weite Strecken ja. Nur in Peißenberg (3:7) war ich unzufrieden. Dort hätte ich mit gewünscht, das Team wäre engagierter zu werke gegangen. Ich hatte den Eindruck, jeder Spieler hat auf den einen, fehlenden Punkt spekuliert. Das ging in die Hose, Peißenberg war viel präsenter. Auch wurden wir für die vielen vergebenen Chancen bestraft.
FO: Mal was ganz Allgemeines: Bielefeld, Ibelherr, Pokorny, Micheller….
Woran liegt es, dass der ECDC keine Saison beendet ohne die sportliche Leitung ausgetauscht zu haben?
WT: Das müssen sie die Vorstandschaft fragen….
FO: Die Trennungen kamen ja nie überraschend, es hat sich immer abgezeichnet.
WT: Ich kann da nur sagen, was ich als Nachwuchstrainer beobachtet oder von Teilen der Mannschaft gehört habe. Der Bielefeld ging auf eigenen Wunsch. Beim Franz- Xaver Ibelherr war es wohl ein Wunder das es so lange gedauert hat, mit ihm kam das Team einfach nicht klar. Gleiches galt beim Thoms Pokorny. Da hat das Team wohl versucht mit ihm zu reden, jeder Coach hat da aber seine Philosophie.
FO: Nach der Saison ist vor der Saison. Werden sie kommende Spielzeit an der Bande stehen?
WT: Das weiß ich noch nicht. Es gibt eine Tendenz. Es ist sicherlich von Nöten eine rasche Entscheidung zu treffen, es ist aber gerademal eine Woche seit Saisonende.
FO: Was denken sie, werden derzeit die Möglichkeiten die das Memminger Eishockey hat ausgeschöpft?
WT: Momentan glaub ich nein. Die Möglichkeiten sind sicherlich da. Ich glaube nicht, dass die ausgereizt sind.
FO: Wo sehen sie denn unseren ECDC mittelfristig?
WT: Mittelfristig sicherlich in der Bayernliga. Wenn gewisse Rahmenbedingungen verbessert werden kann man auch wieder über den Strich schielen.
Für mich war diese Saison auch keine Katastrophe. Für Memminger Ansprüche scheint diese Zwischenrunde aber eine solche zu sein. Bei glücklicherem Saisonverlauf wäre auch mehr möglich gewesen. Es gab verdammt knappe Spiele, in Erding sind wir um 2 Punkte betrogen worden (Treffer für Erding fiel nach der Sirene), die Verletzungen usw…
FO: Wie würden sie die Saison rückblickend überschreiben?
WT: Eie Saison mit Aufs und Abs…
Wir hatten wie jedes Team Höhen und auch Tiefen. Die Stimmung im Team war viel besser als im Jahr zuvor, echte Topleute standen für uns auf dem Eis. Dolezal, Nagle, Löhle… Auch ein Manne Jorde hat eine super Runde gespielt. Mal hinten, mal im Sturm.
Ich fand es toll wie sich die Mannschaft aus dem Tief wieder befreit hat.
FO: Wenn man sich in der Eishalle umhört, stehen vor Allem auch die einheimischen Spieler in der Kritik.
WT: Der Prophet gilt halt im eignen Land nichts. Mich verwundert es, dass man mit den Jungs derartig hart ins Gericht geht. Die haben nicht die Ausbildung wie ein Mike Dolezal, ein Jimmy Nagle, oder ein Manne Jorde.
Sicherlich ist auch hier das Potenzial nicht ausgeschöpft worden.
Wie will denn der Verein weitermachen, wenn man mit dem eigenen Nachwuchs, oder mit Spielern, die seit Jahren trotz beruflicher Belastung ihre Knochen hinhalten so umgeht?
Sicher gab es Spiele, da hat uns das Publikum nach vorne gepeitscht, aber ob diese Unmutsäußerungen Leistungsfördernd sind? Da muss man sich mal Gedanken machen.
Oft wird vergessen, dass die Spieler ihrer Arbeit nachgehen, teilweise im Schichtdienst. Andi Börner zum Beispiel oder Manfred Pietsch haben wie viele andere auch einen harten Job.
Doch das sind junge Leute- keine Profis – und alle haben auch noch ein Leben neben dem Eishockey.
Klar, das Publikum will die Indians (wie der Trainer und die Mannschaft ebenfalls)siegen sehen, sollte aber auch akzeptieren, wenn es mal einen stärkeren Gegner gibt. Die Mannschaft hat immer alles versucht, bei den widrigen Umständen mit denen wir in der abgelaufenen Spielzeit kämpfen mussten war halt nicht mehr drin.
FO: Herr Tenschert, wir danken ihnen für dieses aufschlussreiche Gespräch.
WT: Keine Ursache, gern geschehen.
Interview: Benny Dennenmoser
Die Saison 2009/2010 in Zahlen:
Tabellenplatz nach der Vorrunde: 13
Tabellenplatz Zwischenrunde:2
Bester Scorer: Mike Dolezal 57 Punkte
Bester Torjäger: Martin Löhle 23 Tore
Meiste Assist: Mike Dolezal 40 Vorlagen
Meiste Strafen: Martin Jainz 120 Minuten
Zuscherschnitt: 1060 |