SC Memmingen

Der SC Memmingen von 1981 bis 1988:

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Der Grundstein (1981 - 88)

Alles fing in der Saison 1979/80 an als der damalige SC Memmingen in der Bayernliga ein recht ansehnliches Eishockey spielte. Es dauerte jedoch 3 Jahre bis zur Saison 1983/84 bis der SCM als Nachrücker (Platz 3) in die Regionalliga Süd aufsteigen konnte. Doch diese Liga sollte nur als Durchlaufstation dienen, denn in der Folge- Saison 1984/85 war man bereits als Gruppen-Dritter der Relegation zur Oberliga Süd in diese Spielklasse aufgestiegen. Es folgten drei Jahre (1984/85 - 1986/87) in der dritthöchsten Spielklasse. Top-Spieler waren damals Timothy Turner u. Robert Bailey (84/85), Christophe Lunden u. Edgar Lill (85/86) sowie Daniel Burns u. Brent Gropp (86/87). Dennoch war der SCM ein unglücklicher Oberligist, den der Zuschauerschnitt im Freiluftstadion war weit unter 1000, zu dem musste der Gang nach den drei Jahren durch eine schlechte Relegationsrunde (Platz 5) in die klassentiefere Regionalliga Süd angetreten werden.

Doch mit der Fertigstellung der Eissporthalle im Dezember 1987 und der Favoritenrolle in der Regionalliga Süd in der Saison 1987/88 zog das Publikum mit. Der SCM konnte nun mehrfach ausverkauftes Haus mit 4000 Fans vermelden und am Ende belohnten die Spieler ihr begeisterungsfähiges Publikum mit der Regionalliga Süd - Meisterschaft und dem Wieder-Aufstieg in die Oberliga Süd. Und wie erfolgreich der SCM war, zeigt die Bilanz: Die Meisterschaft erlangte der Club verlustpunktfrei, d.h. 22 Spiele = 22 Siege. Topspieler waren damals Paul Bifano, Udo Ried und Kevin Weremy.

 

Die erfolgreichen Jahre (1988 - 94)

Für die Oberliga Süd hatte sich der SCM angemessen verstärkt: Die Bayreuther Zwillinge Paul und Peter Lowden, der Münchner Torwart Jürgen John sowie die Füssener Markus Gmeiner und Reiner Meisinger waren prominente Zugänge. Die Saison 1988/89 sollte für den Oberliga-Aufsteiger auch eine Kur werden. Attraktivere Gegner und der Ausbau des Zuschauers-Booms sollten die vorangegangenen Oberliga-Zeiten vergessen machen. Es sollten die erfolgreichsten Jahre im Memminger Eishockey werden. Größten Anteil daran hatten die Gebrüder Lowden: Peter und Paul, die nordamerikanischen Zwillinge, die brüderlich teilten. Titel Scorerkönig für den einen, Titel Schützenkönig für den anderen. Ein geniales Duo.

Bis zum Wiederaufstieg des SCM in die Oberliga Süd musste der Verein bisher immer in die ungeliebte Relegation zu dieser Liga, um den Klassenerhalt zu sichern. Ab der Saison 1988/89 sollte sich dies ändern, denn ab da an spielten die Maustädter immer um den Aufstieg zur damaligen Bundesliga II Süd. Die Saison beendete man etwas enttäuschend als Gruppensiebter und Tabellenletzter mit nur vier Pluspunkten. Als Neuling tat man sich schwer gegen die etablierten Vereine aus Bad Tölz, Stuttgart und Riessersee, selbst gegen die Oberligisten Ravensburg, Klostersee und Königsbrunn war in dieser Runde einfach nichts zu holen und der SCM noch eine Nummer zu klein. Der Zuschauerschnitt lag aber dennoch weit über 2000 Zuschauern.

Für die Saison 1989/90 verstärkte sich der SCM erneut mit so renommierten Cracks wie Sven Erhart (SV Bayreuth) oder Willi Schweiger und Krystof Kruczek (Augsburger EV). Spektakulärstes Schnäppchen war sicherlich der Torhüter Dietmar Habnitt (EC Bad Tölz), immerhin zu der Zeit einer der begehrtesten Keeper im Lande. Am Ende war man Vizemeister der Oberliga Süd und verpasste den Aufstieg zur Bundesliga II Süd als Relegationsvierter nur um einen Punkt. Die Aussichten waren gut, dass die dritte Oberliga-Saison 1990/91 ihre vorerst letzte werden sollte. Erster Grund: Die Konkurrenz in der dritten Liga war schwächer geworden: Meister EV Ravensburg konnte nach dem Nicht-Aufstieg die hochwertig besetzte Truppe nicht ganz zusammenhalten, den anderen Klubs fehlte die personelle Substanz, um sich mit Memmingens Star-Ensemble ernsthaft messen zu können. Grund zwei und der vielleicht wichtigere: Die Torfabrik Lowden bekam einen Spieler hinzu. Einen, der als Empfehlung mitbrachte, einige Jahre im erfolgreichsten deutschen Angriff überhaupt mitgewirkt zu haben, nämlich an der Seite der Düsseldorfer Stars Peter John Lee und Chris Valentine. Auch wenn er danach in Freiburg nicht mehr so toll und in Köln praktisch gar nicht mehr gespielt hatte - die Memminger waren mächtig stolz, einen solchen Spieler in ihren Reihen zu haben: Miro Nentvich, damals 31 Jahre alt und fünffacher Nationalspieler. Man gab ihm gleich ein Drei-Jahres-Vertrag - Zukunftsplanung hieß das damals. Denn diese Reihe sollte länger als nur eine Saison treffen: Peter, Paul und Miro. Und demnächst eine Klasse höher: in der II. Liga. Es sollte reichen, am Ende war der SCM Oberliga-Meister, sage und schreibe elf Punkte Vorsprung und belegte in der Qualifikation der Gruppe B zur Bundeliga II Süd souverän den ersten Platz und stieg in die Bundesliga II Süd auf. Nach den Duellen mit dem EC Bad Nauheim war man sogar Deutscher Oberliga-Meister 1990/91. Womit sich die dreijährige Aufbauarbeit vom Oberliga-Neuling zum Zweitliga-Aufsteiger ausgezahlt hatte. Und damit schließlich auch der Transferknüller vor der Saison, die Verpflichtung des einstigen Nationalspieler Miroslav Nentvich. Am Ende stellte das Team von Gerd Wittman, der sein drittes Meisterstück feierte, das fairste, attraktivste (knapp 3000 Zuschauer pro Spiel) und abwehrstärkste Team.

In der Saison 1991/92 stand die Bundesliga II vor einem bedeutenden Umbruch. Denn in der folgenden Saison sollte es nur noch eine bundesweite eingleisige Liga mit zwölf Vereinen geben. In drei Etappen läuft die Qualifikation ab. Deshalb war es für jeden Verein in der Nord- und Süd-Division, sportlich reizvoll das Nahziel - unter die ersten fünf zu kommen - zu erreichen. In drei Etappen lieft die Qualifikation ab: nach der Hauptrunde qualifizierten sich die ersten fünf für die Obere Zwischenrunde der Bundesliga II, die restlichen Mannschaften für die Untere Zwischenrunde der Bundesliga II.

 

Die ersten acht der Oberen Zwischenrunde sollten sich anschließend für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga I, die restlichen Mannschaften für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga II qualifizieren. Nach dem Aufstieg sollte dies eine recht harte Saison mit insgesamt 48 Spielen für die Allgäuer werden. Deshalb musste der Kader mit Reiner Vorderbrüggen (ESV Kaufbeuren), Alwin Wever (EHC Klostersee), Norbert Haslach (Augsburger EV), Jason Hall (Eintracht Frankfurt), Vladimir Lukscheider (EA Schongau) und Roman Zaborowski (SV Bayreuth) verstärkt werden.

Die Hauptrunde beendete der SCM zwar als bester Neuling aber leider unglücklich als Tabellensechster und musste damit in die Untere Zwischenrunde starten. Damit war zwar die Qualifikation zur Bundesliga I nicht erreichbar, aber die Chance sich für die eingleisige Bundesliga II zu qualifizieren wurde noch gewahrt. In der Unteren Zwischenrunde erreichte der SCM nach 16 Spielen hinter dem ECD Sauerland und dem EV Füssen den 3. Tabellenrang und qualifizierte sich damit für die Qualifikationsrunde zur Bundesliga II. In dieser Qualifikationsrunde wurde der SCM souverän Tabellenerster und qualifizierte sich mit dem EC Bad Nauheim, dem EV Füssen und dem EHC Essen-West für die eingleisige Bundesliga II. Quasi konnte diese Qualifikation auch als erneuter Aufstieg gewertet werden. Der Erfolg gab den Verantwortlichen Recht, die Investitionen in den Kader hatten sich gelohnt, am Ende waren die Memminger als Bundesligist II unter den 24 besten Eishockey-Mannschaften in Deutschland. Trotzdem viel bereits ein kleiner Schatten auf diese Erfolgsstory: In den letzten Jahren musste der Club viel eigenes Geld in Ablösesummen für neue Spieler investieren und der damalige Obmann Franz Müller gestand eine akut werdende Finanzmisere ein. Im Sommer wurde dann gebangt, ob der Vergleich mit den Gläubigern klappen würde. Das SCM-Flaggschiff begann im Frühjahr zu schlingern, nur durch einen außergerichtlichen Vergleich auf Kurs gehalten und das Aus nach 36 Jahren verhindert werden. Alles ging vorerst gut, der SCM konnte seine Aufstiegsstory fortschreiben - aber: Das bisher gute Image war erst einmal dahin.

 

Mit einem stark veränderten Kader ging der SCM in seine zweite Saison (1992/93) in der Bundesliga II. Während und zum Ablauf dieser Saison verließen insgesamt 13 Cracks den Verein. Die Fans mussten nach vier Jahren Abschied von den Lowden-Zwillingen nehmen. Nach diesem eher ungewöhnlich langen Engagement auf den Ausländerpositionen wurden zwei neue Hoffnungsträger geholt. Zwei lettische Sturm-Hünen aus Riga: Ilmar Toman (51 A-Länderspiele für die damalige UdSSR) und Ainar Hecht sollten nicht nur allein ihrer Größe wegen für Akzente sorgen. Hinzu kamen u.a. Andreas Keiler u. Sven-Oliver Vieten vom EHC Freiburg, Thomas Deiter vom Bundesligist Schwenninger ERC, Matthias Brod vom SC Riessersee und nach nur einem Jahr Rückkehrer und Torhüter Ralf Weinl vom EC Ulm.

Der SCM gehörte zu den besten Startern der II. Liga, kam am sechsten Spieltag zum Tabellenführer Augsburger EV - und verlor völlig willenlos 0:14. Beginn einer Talfahrt. Trainer Gerd Wittmann gab auf, Nachfolger Martinec hielt den SCM wenigstens in der Liga. Enorm dabei der Ausländerverschleiß. Nur der Lette Toman spielte die Saison durch. Sein Landsmann Hecht schied mit dreifachen Beinbruch aus. Ersatzmann Mike Hiltner, ein US-Boy, erwies sich als Blender. Der vierte Ausländer war der Kanadier Stephan Thivierge vom EHC Klostersee - für Memminger Verhältnisse war sein Engagement eine Frechheit. Den Thivierge galt aus seiner Ravensburger Zeit als das Feindbild schlechthin, hatte in seiner raubeinigen bis brutalen, meist unfairen Art bevorzugt Memminger Spieler zur Strecke gebracht. Aber Trainer Martinec hielt an dieser ungewöhnlichen Maßnahme fest, da der SCM unbedingt einen Torjäger brauchte. Diese Saison verpasste der SCM schließlich enttäuschend als Tabellenzehnter die Play-Offs zur Bundesliga I und musste somit in die Play-Downs. Bereits in der ersten Runde konnte der SCM die Fahrkarte für eine weitere Saison in der Bundesliga II lösen. Der SCM setzte sich in fünf Spielen mit vier Siegen (Best-of-Seven) gegen den SC Riessersee (4:3 n.V., 2:6, 7:5, 8:7 n.P. und 5:4) durch und hatte letztendlich als einziger Allgäuer Zweitligist doch noch den Klassenerhalt geschafft. Zu verdanken hatten die Verantwortlichen dies dem neuen Trainer Vladimir Martinec. Der auf das leckgeschlagene SCM-Schiff aufsprang, nachdem auch der kurzfristige Nachfolger des ehemaligen Erfolgstrainers Gerd Wittmann, Paul Sommer die Memminger bereits abgeschrieben hatte. Auch in der Club-Organisation brachen nach dem Rücktritt von Obmann Franz Müller und Organisationsleiter Peter Gemsjäger vorzeitig zwei wichtige Stützen weg und bei der Hauptversammlung traten dann der Vorsitzende Helmut Hirschel und sein Vize Dr. Anton Beck nicht mehr zur Wahl an. Ohne Trikot- bzw. Hauptsponsor trat man seine zweite Saison in der eingleisigen Bundesliga II an. Das Gesicht der Mannschaft änderte sich in der Saison 1993/94 erneut. Die beiden Letten Toman (Schwenninger ERC) und Hecht (zurück nach Lettland), Thomas Deiter (zurück zum SERC) und Markus Martin (zum ECU) standen u.a. als Abgänge fest.

Der SCM verstärkte seinen Kader mit dem Kanadier Brad Belland vom EC Kassel und mit dem Amerikaner Rick Erdall aus Malmö. Vom ECD Sauerland kamen Reiner Vorderbrüggen und Herbert Plattner zurück sowie vom ECU Ralf Aschenbrenner. Vom Augsburger EV stießen Armin Steigenberger und Ales Volek zu den Memmingern.

Was sich in den vorangegangen Spielzeiten bereits abzeichnete: die Bundesliga II war das Sorgen- und Stiefkind des deutschen Eishockeys. Die Saison 1993/94 endete nicht nur für den SCM im Super-Gau des Spielbetriebs. Mit nur elf Clubs begann die Saison, nachdem der Schwenninger ERC als Nachrücker in die Bundesliga I für den in die Viertklassigkeit verbannten EHC Freiburg, kurzfristig abhandengekommen war. Das letzte und auch zugleich schlimmste Jahr der II. Bundesliga forderte einige Todeskandidaten. Zwei verabschiedeten sich aus dem laufenden Spielbetrieb (SV Bayreuth und SCM), zwei taten ihren Abgang aus dem höherklassigen Eishockey nach den Punktspielen kund (ECD Sauerland u. EHC Essen-West).

Der SCM stieg vorzeitig aus. Die Allgäuer gingen am 31.12.93 nach 26 Spielen auf Platz 10 liegend (1 Sieg, 1 Unentschieden, 24 Niederlagen mit 84:189 Toren und 3:49 Punkte) in Konkurs. Alle Spiele wurden gestrichen. Nach dem Weihnachtsfest war Schluss - und das hatte sich wie im Fall Bayreuth schon angedeutet. Bereits vor der Saison 1991/92 hatte der SCM zäh um seine Zulassung ringen müssen. Die Zuschauer erwiesen sich zwar als ebenso treu wie begeisterungsfähig - doch es fehlte an Sponsoren. Außerdem hatten die Memminger, als sie in der Oberliga ernsthafte Ambitionen entwickelten, zu viele und zu teure Spieler eingekauft. Wohl in der Euphorie, denn in der schmucken neuen Eissporthalle spielte sich der SCM bekanntlich bis in die II. Liga. Am Ende stand ein vermeintlicher Exodus eines sportlich ambitionierten Allgäuer Eishockey-Clubs.

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