EHC Memmingen

Der EHC Memmingen von 1994 bis 2002:

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Der Neubeginn (1994 - 2002)

Der SC ist tot, es lebe der EHC. Der neu gegründete Eishockeyclub, man gab sich den Beinamen "Die Wölfe", musste in der Saison 1994/95 ganz unten in der Bezirksliga - Gruppe 4 beginnen. Memmingen wurde bereits im ersten Jahr seines Bestehens Gruppenerster und damit automatisch Aufsteiger in die Landesliga. Im Finale um die Bezirksliga-Meisterschaft scheiterten der EHC nur am ESV Bayreuth. Am Ende fehlten zwei zu wenig geschossene Tore, da die beiden Spiele ausgeglichen gestaltet wurden. Als Vizemeister der Bezirksliga wurde die Saison beendet.

In der Saison 1995/96 startete man in der Gruppe 4 der bayerischen Landesliga. In der Vorrunde wurde man souverän Gruppensieger und auch in der anschließenden Hauptrunde erreichte der EHCM den ersten Rang der Landesliga -Gruppe 4. In der nachfolgend ausgespielten Meisterrunde der Landesligen musste man sich nach dem EV Dingolfing und dem ESV Bayreuth mit den dritten Rang begnügen. Direktaufsteiger in die Bayernliga waren die beiden Bestplatzierten, aufgrund des Verzichts des ehemaligen Bayernligisten EV Berchtesgaden, stieg der EHC Memmingen als Tabellendritter am grünen Tisch als Nachrücker in die Bayernliga auf.

Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten, die jeweils mit einem Aufstieg belohnt wurde, musste in der Saison 1996/97 in der Bayernliga der erste Rückschlag verzeichnet werden. Sowohl in der Vorrunde der Gruppe West mussten sich die Allgäuer als Tabellenzweiter wiederholt dem ESV Bayreuth, als auch in der Meisterrunde als Tabellendritter erneut dem ESV Bayreuth und auch dem EV Pfaffenhofen geschlagen geben. An dem ESV Bayreuth, der eine glanzvolle Spielzeit hinlegte, die mit dem Aufstieg in die 2. Liga belohnt wurde, kamen die Allgäuer in den letzten zwei Jahren einfach nicht vorbei.

Als Tabellendritter war die Möglichkeit an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilzunehmen leider verspielt, deshalb startete der ECHM in der Saison 1997/98 erneut in der Bayernliga. In der Gruppe West der Bayernliga wurde der Club souverän Gruppenerster, ließ jedoch in der nachfolgenden Meisterrunde, obwohl die übermächtigen Bayreuther im Jahr zuvor aufgestiegen waren, den vorherigen Elan vollständig vermissen und leichtfertig verspielen. Die Saison beendete man enttäuschend auf den 5. Rang. Wieder hatte der ECHM die Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd verpasst. Die Konsequenz war ein weiteres Jahr in der Bayernliga. In der Saison 1998/99 sollte es aber endlich klappen. In der Vorrunde der Gruppe West musste sich der Club zwar noch hinter der EA Kempten einreihen, in der nachfolgenden Meisterrunde konnte man erstmals den ersten Platz belegen und als gekrönter Bayernliga-Meister vor der EA Kempten an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilnehmen. In der Aufstiegsrunde mussten die Allgäuer aber erneut der EA Kempten den Vortritt lassen. Als Tabellenzweiter vor dem Sachsen-Meister ESC Dresden und dem Baden-Württemberg-Meister ERC Schwenningen 1b war der Direktaufstieg leider nicht gelungen. Der ECHM nutzte jedoch die zweite Chance. In der Relegation des Tabellenzweiten mit dem Tabellenvorletzten der 2. Liga Süd, dem EHC Klostersee, konnten die Memminger in zwei Spielen (2 Siege, 8:6 Tore) den lang erhofften Aufstieg erzielen. Damit war die Vorstandschaft des EHCM, die nach dem Konkurs des damaligen Schlittschuhclubs antrat, am Ziel ihres selbst gesteckten Fünf-Jahres-Planes, der besagte, dass die Wölfe innerhalb diesen Zeitraumes wieder den Sprung in eine DEB-Liga schaffen sollten, angelangt.

Damit war nun auch klar, dass der EHCM in der vierthöchsten Liga, der Regionalliga Süd, in der Saison 1999/00 an den Start ging. Die Memminger hatten sich für die Runde mit den 18-fachen Nationalspieler Stefan Steinecker und mit Jaroslav Benak, einem hochkarätigen tschechischen Abwehrstrategen vom EC Peiting, sowie mit einem weiteren Tschechen, Vladimir Petrovka vom HC Litvinov, und dem Schweden Dejan Kostic vom IFK Arboga, verstärkt. Vom EC Ulm kam noch der junge Stürmer Achim Briechle. Zu den bewährten Kräften zählte man Routinier Herbert Kuisle, in der Bayernliga mit 89 Punkten Top-Scorer des EHCM, Goalie Ralf Weinl, Verteidiger Helge Pyka und Stürmer Günter Hartmann. Gespannt waren die Fans auf das bis dahin größte einheimische 18-jährige Eishockey-Talent Martin Löhle.

Insgeheim hatten sich die Allgäuer erhofft, sich für einen Platz unter den besten Sechs zu qualifizieren, um so an der lukrativen Aufstiegsrunde zur Oberliga Süd teilzunehmen. Als die Felle davon zu schwimmen drohten, wurde mit Peter Lowden ein alter Bekannter und mit Joseph Hayse, ein vom EV Füssen kommender langjähriger Top-Stürmer des EC Ulm/Neu-Ulm, nochmals namhaft nachgerüstet. Trotzdem blieb unter dem Strich "nur" der undankbare siebte Platz und damit der Gang in die Qualifikation zur Regionalliga Süd. Der Klassenerhalt war jedoch für die Wölfe freilich kein Problem. Als Tabellenzweiter beendete der EHCM, hinter dem EV Landsberg, als fairste Mannschaft in beiden Runden die Saison.

Im zweiten Regionalliga-Jahr der Saison 2000/2001 setzte der ECHM auf eine Mischung aus vielen jungen Gesichtern und einigen Routiniers. Von den bisherigen Kontingentspielern weiterverpflichtet wurde nur Jaroslav Benak, der trotz seiner mittlerweile 38 Jahren zu den großen Stützen in der Abwehr zählte. Bei der Besetzung der jetzt vier Ausländerstellen bauten die Wölfe nun auf die tschechische und kanadische Linie.Neben Publikumsliebling Peter Lowden, der einen deutschen Pass vorweisen konnte, stürmte künftig der Tscheche Jiri Cihlar von Dukla Jihlava und die beiden jungen Kanadier Jamie Hogan und Aaron Lewis, die dann aber als zu schwach befunden und noch vor Punktspielstart wieder ausgemustert wurden. Als Ersatz wurden ebenfalls zwei blutjunge Kanadier, Chris Sandau und Sean Adamick geholt. Letzter blieb bis Saisonende, Sandau sollte vor Weihnachten 2000 nach Hause geschickt werden. Als Abgänge verzeichneten die Wölfe, u.a. Stefan Steinecker, der seine Laufbahn beendete, Joseph Hayse der zum ESV Königsbrunn wechselte und die beiden ausländischen Stürmer Petrovka und Kostic, die in den entscheidenden Spielen enttäuscht hatten. Bitter war sicherlich auch der Weggang von Günter Hartmann, in der Vorrunde noch viertbester Scorer der Wölfe, der sportlicher Leiter bei der EA Kempten werden sollte. In der Vorrunde wurde der EHCM die positive Überraschung der Liga. Die Experten von der Fachzeitschrift Eishockey-News tippten die Memminger auf den achten Rang und selbst die größten Optimisten im rot-weißen Anhang hätten nie und nimmer mit dem vierten Tabellenplatz gerechnet. Wie knapp die Wölfe den Schlussspurt schafften, zeigt die Bilanz: Nur ein Punkt fehlte dem Tabellenfünften ERV Schweinfurt und anstellte des EHCM wären diese in der Relegation zur Oberliga Süd gewesen.

Die freie Ausländerstelle von Sandau besetzte schließlich Roman Mejzlik, der beim Nord-Oberligisten ESC Dresden überzählig war und den Trainer Leos Sulak gerne schon früher gehabt hätte. Mejzlik verstand sich blind mit Top-Stürmer und Top-Scorer Jiri Cihlar und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Wölfe, die fast aussichtslos dem vierten Platz hinterherhinkten, doch noch im Endspurt in die Play-offs rutschten.

Zwar verlor dort der ECHM im Best-of-Five-Modus gegen den Oberliga-Neunten, ERC Haßfurt eindeutig und schnell die ersten drei Spiele (7:3, 5:1, 5:4 n.P.) und verpasste somit den Aufstieg zur Oberliga Süd. Aber dies war nicht ganz so tragisch, zumal alle vier Regionalligsten (Blue Devils Weiden, EV Ravensburg und der EHC Klostersee) in den Play-Offs an den Oberligisten scheiterten und so ihre Dominanz unter Beweis stellten. Auch in der Saison 2001/02 sollte der EHCM eine gute Rolle in der Regionalliga Süd spielen, allerdings mit kleinerem Etat als bisher. In der vergangenen Runde kamen der sportliche Endspurt und damit auch der Zuschauerzuspruch zu spät, das Dilemma bei der Besetzung der Ausländerpositionen hinterließ ebenfalls Spuren in der Vereinskasse. Am Ende blieb auch bei den seriös wirtschaftenden Memmingern ein beträchtliches Minus. Nachdem der EHC jedoch Überraschungsvierter geworden war, wurden die Ziele hoch gesteckt. Auf jeden Fall wollten die Wölfe Platz drei oder vier erreichen. Um das zu ermöglichen, wechselte Publikums-Liebling Peter Lowden hinter die Bande und löste Leos Sulak als Trainer ab. Aufgrund der guten Erfahrung aus der letzten Spielzeit, versuchte man es wieder mit einer Mischung aus routinierten und jungen Kräften über die Runden zu kommen, wenngleich der Gürtel finanziell enger geschnallt werden musste. Aus Kempten wurden mit Peter Schmid und den ehemaligen Ulmer Spielern Andreas Weißenborn und Andreas Becherer gleich drei Spieler vom Ligarivalen EA Kempten geholt.

Richten sollten es vor allem vier Kontingentspieler. Die beiden Kanadier Paolo D´Ambrosi und Mike Melas, sowie der Schwede Marcus Abrahamsson und der ehemalige lettische Nationalspieler Sergejs Boldavesko. Peter Lowden musste jedoch schnell erkennen, dass er sich zumindestens mit dem ehemaligen Ulmer Stürmer D´Ambrosi verzettelt hatte. Der Italo-Kanadier brachte nicht das, was man sich von ihm versprochen hatte und musste bald gehen. Nachdem zu Hause kein einziges Derby gegen die EA Kempten und den EV Ravensburg gewonnen wurde, blieben die Zuschauer fern und der Verein versuchte mit Neuverpflichtungen dies zu kompensieren. Aber auch mit den Kanadiern Derek Switzer vom KEV Hannover, Colin Anders vom Rostocker EC und Peter Westerkamp vom Bundesligisten Bad Nauheim wurde der Sprung unter die ersten Top Vier nicht geschafft.

Im Frühjahr 2002 drohte finanziell das Licht auszugehen, was allerdings auch daran lag, dass das übernommene Minus bei Amtsantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Mayer höher war, als damals bekannt. Die finanzielle Rettungsaktion gelang jedoch glücklicherweise. Im Januar musste dann auch noch das Memminger Eishockey-Denkmal Peter Lowden seinen Trainerposten für Erwin Merath räumen. Die Saison konnte vom neuen Trainer als Tabellensechster ordentlich zu Ende gebracht werden. Im Play-off-Viertelfinale wurde sogar der Favorit und Tabellendritte Blue Devils Weiden beinahe in die Knie gezwungen. Im Best-of-Five-Modus ging es über die volle Distanz. Nach den beiden knappen Überraschungssiegen, verloren die Allgäuer leider die beiden nachfolgenden und auch das letzte Spiel wurde unglücklich in der Verlängerung mit 3:4 (3:2 n.P., 4:3, 0:3, 3:5, 3:4 n.V) verloren. Mit etwas mehr Glück wäre sogar eine Sensation durch die Wölfe möglich gewesen (siehe nachfolgenden Spielbericht). Das Zuschauerinteresse wurde aufgrund dieser Leistung noch einmal geweckt und nur zu gerne hätten die Wölfe, den Einzug in das Halbfinale geschafft, um noch etwas mehr Geld in die leere Vereinskasse einzunehmen. Klar war jedoch, dass die Mannschaft für die nächste Saison abgespeckt werden musste, was sowohl die Anzahl der Spieler als auch die Bezahlung betraf.

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Bericht aus der Sicht der Weidener vom legendären Playoff Spiel zwischen den Blue Devils Weiden und den Memminger Wölfen

12.03.2002: Die Blue Devils gewinnen ein legendäres und schon fast verloren geglaubtes Spiel noch mit 4:3 n.V. gegen den EHC Memmingen

Ausgleich 41 Sekunden vor Schluss durch unseren "Retter" Alex Herbst und die Entscheidung in der Verlängerung in einem von Nervosität geprägten Spiel vor 2000 Zuschauern durch Milan Blaha.

Was die Blue Devils heute Abend im proppenvollen Weidener Eisstadion ihren Fans an Nervenskraft zugemutet haben, das geht nicht auf die berühmte Kuhhaut. Dies war definitiv das dramatischte Spiel der gesamten Vereinsgeschichte.

Der EHC Memmingen, der den Blue Devils in den Playoffs alles und wirklich alles abverlangte, schlug sich eigentlich in den letzten Sekunden selbst und scheiterte am enthusiastisch mitgehenden Publikum und an den eigenen Nerven. Weiden hingegen hat es geschafft einen 0:2-Rückstand nach dem ersten Wochenende in einen 3:2-Playoffsieg umzuwandeln und die 2000 Zuschauer im Weidener Eisstadion machten nach dem Golden Goal von Milan Blaha die Nacht zum Tag und veranstalteten nach dem Spektakel im Stadion noch ein "italienmäßiges" Hupkonzert vor dem Weidener Eisstadion. Es war der absolute Wahnsinn.

Den Spielern kann man nur gratulieren und wirklich höchsten Respekt zollen vor dieser Leistung unter diesem Druck. Ich denke Weiden hatte von den Favoriten definitiv den schwersten Gegner in der 1.Runde, hat sich nun aber auch das meiste Selbstbewusstsein aller Favoriten geholt, was sicher die Serie gegen Ravensburg (erstes Spiel am kommenden Freitag in Ravensburg) positiv beeinflussen wird Zum Spiel selbst. Das Spiel war über 60 Minuten und in der Verlängerung von taktischen Zwängen bestimmt und beide Teams belauerten sich und versuchten nicht die entscheidenden Fehler zu machen. Natürlich standen die Blue Devils in diesem Spiel (wie damals gegen Füssen) vor einer riesen Kulisse enorm unter Druck. Nach einigen Chancen auf beiden Seiten, unter anderem tauchten dreimal Weidener Spieler (Blaha, Kinateder und Herbst) mutterseelenalleine vor Goalie Warkus auf, gelang den Blue Devils in Überzahl das 1:0. Weißenborn saß für Memmingen auf der Strafbank und Jiri Hlinka gelang mit einem schönen Schuss in der 11. Minute die 1:0-Führung. Sekunden vor der Drittelpause glichen dann die Memminger, die eine wirklich beherzte Vorstellung lieferten, durch Andreas Becherer aus. Er wurde nach einem Konter von Boldaveshko mustergültig bedient und brauchte nur noch am chancenlosen Hirvonen vorbei einschieben. Im zweiten Drittel gingen die Blue Devils dann aus einer recht undurchsichtigen Situation in Führung. In der 25. Minute entstand ein Gestochere vor dem Tor von Warkus und Zellner schaffte es den Puck am Memminger Schlussmann vorbei ins Netz zu befördern. Doch die Führung gab den Devils nicht die erhoffte Sicherheit und Memmingen war weiterhin ein sehr gefährlicher Gegner, der im Laufe des 2.Drittels auch einen Lattenknaller zu verzeichnen hatte. Memmingen wurde zum Ende des Drittels immer besser und schoss in der 37. Minute ein Überzahlspiel zum 2:2-Ausgleich ab. Torschütze war im zweiten Nachschuss Peter Westerkamp. 45 Sekunden vor Drittelende war es dann Derek Switzer "himself" vorbehalten für eine recht ruhige und verkrampfte Drittelpause im Eisstadion zu sorgen. Ihm gelang nämlich mit einem rechten "Kullertor" auch noch zu allem Übel das von den Allgäuern vielumjubelte 3:2 für die konterstarken Memminger.

Im letzten Drittel mussten die Blue Devils also vorne Tore machen und hinten aber immer auf der Hut sein, die gefährlichen Konter der Memminger abzuwehren. Die Angriffe wirkten verständlicherweise etwas verkrampft in diesem Drittel bei den Blue Devils, scheinbar kam nun das "Füssen-Trauma" wieder in den Köpfen der Spieler hoch. Es lief zwar Angriff über Angriff auf das Memminger Tor, jedoch gelang trotz der brutal lauten Unterstützung der Fans der Ausgleich zunächst nicht. Selbst Überzahlspiele (3-mal) brachten nicht den gewünschten Torerfolg.

Dann wurde es dramatisch und denkwürdig. Die ersten Fans hatten schon Tränen in den Augen stehen und eigentlich rechnete schon fast niemand mehr mit den Devils (Hirvonen war schon für einen sechsten Feldspieler vom Eis), da geschah das Unfassbare. Das Weidener Tor war leer und der Memminger Verteidiger hatte den Puck hinter dem Tor gesichert. Statt den Puck einfach nach vorne zu schießen, versagten die Nerven des Memmingers unter dem tosenden Gebrüll der Weidener Fans und Herbst bekam den Puck zu fassen, legte ihn sich zurecht und knallte den Puck durch die Schoner von Warkus ins Tor. Das Weidener Eisstadion stand nun Kopf, wie schon seit Jahren nicht mehr. Es spielten sich auf dem Eis und auf den Rängen unbeschreibliche Jubelszenen ab. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit blieb dann noch einmal vielen Fans das Herz stehen, als Anders ganz alleine vor Hirvonen auftauchte und vergab. Nach der regulären Spielzeit hieß es also 3:3 und in der Verlängerung wollten die Blue Devils, die konditionell frischer wirkten, die Entscheidung, da sie mit einem Penaltyschießen auf Kriegsfuß stehen.

Nach einigen Chancen für Weiden in der Verlängerung und einer riesen Möglichkeit für Memmingen, bei der vielen das Herz stehen blieb, war es dann der Topscorer Milan Blaha selbst, der die Entscheidung besorgte. In der 63. Minute war es soweit und die Stimmung im Stadion explodierte und der Lärmpegel eines Düsenjets war ein Dreck gegen diesen Jubel der Fans. Milan Blaha hielt sich einen Verteidiger mit der einen Hand vom Leib, setzte sich so durch und konnte den Puck einschieben zum so wichtigen 4:3 Endstand.

Nun spielten sich unfassbare Jubelszenen ab. Die Spieler erdrückten sich fast gegenseitig, genauso wie die Fans. Sowas gab es im Weidener Eisstadion schon lange nicht mehr und spätestens jetzt ist die reguläre Saison mit ihren Höhen und Tiefen abgehakt und Weiden befindet sich im kollektiven Eishockeyfieber und bejubelte ihre frischgebackenen Helden. Lange nach dem Spielende feierten die 2000 Zuschauer im Eisstadion noch eine richtige Party und auf dem Eis spielten sich unglaubliche Jubelszenen ab.

Die Jungs haben da heute einfach ein legendäres Spiel abgeliefert und ein enormer Druck ist von den Spielern abgefallen. Am kommenden Freitag geht’s bereits weiter mit dem ersten "Aufstiegsendspiel" beim EV Ravensburg. Wenn die Mannschaft ihre Euphorie in diese Playoff Spiele hinüberretten kann, dann ist dort alles drin.

Ansonsten gilt es auch einmal von dieser Stelle den Blue Devils zu einer tollen und nicht für möglich gehaltenen Aufholjagd zu gratulieren. Den Memminger Wölfen, ihren sympathischen Trainer Merath und allen Fans wünschen wir von ganzen Herzen auch in der kommenden Saison viel Erfolg und neue Sponsoren, die den Standort Memmingen erhalten. Gratulation zu einer riesen Leistung der Memminger Mannschaft und den Memminger Fans bleibt nur zu sagen: Ihr könnt auch riesig stolz auf euer Team sein, es hat einfach am Ende das Quäntchen Glück gefehlt und die Sensation ist gelungen.

Der größte Sieger war natürlich der "Schatzmeister" der Blue Devils, denn wenn vor den Playoffs jemand gesagt hätte, dass an einem Dienstagabend 2000 Zuschauer zu einem Erstrundenspiel kommen würden, der wäre für verrückt erklärt worden.

Aufstellungen

Blue Devils Weiden:

Hefner, Penk, Plate, Gerber, Herbst, Grünitz, Graupner - Möstel, Bartels, Schreiber, Gruhle, Hendrikson, Blaha, Göldner, Kinateder, Hagn, Hlinka, Müller, Zellner

EHC Memmingen:

Anders, Eisenlohr, Weißenborn, Wartosch, Lerchner, Abrahamsson, Pyka - Westerkamp, Becherer, Frieß, Börner, Dietrich, Boldaveshko, Switzer, Gaube, Nieder F.

Tore

1:0 (11:25) Hlinka (Müller,Plate) 5-4

1:1 (19:45) Becherer (Boldaveshko,Switzer)

2:1 (25:26) Zellner (Bartels,Gruhle)

2:2 (37:39) Westerkamp (Switzer,Weißenborn) 5-4

2:3 (39:15) Switzer (Westerkamp)

3:3 (59:19) Herbst 6-5

4:3 (63:07) Blaha (Plate,Hlinka)

Strafzeiten

Weiden: 12

Memmingen: 14

Zuschauer (offiziell)

1707

Beste Spieler

Plate (Weiden)

Switzer (Memmingen)

Quelle: www.bluedevilsfan.de

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Die letzte Saison (2002-2003)

Die Oberliga wurde für die Saison 2002/03 erneut umstrukturiert. Mit der Integration der Regionalliga Süd und der nach geographischen Gesichtspunkten durchgeführten Aufteilung der Oberliga in zwei Gruppen je zehn Mannschaften sowie der Aufnahme des KEV Hannovers, wurde die notwendige Einigkeit erzielt. Für den EHCM bedeutete dies eine Doppelrunde gegen die letztjährigen Oberligisten EV Füssen, EC Peiting und TuS Geretsried, gegen die letztjährigen Regionalligisten EHC Klostersee und EV Ravensburg (beide Oberliga-Aufsteiger), TEV Miesbach, EA Kempten und Augsburger EV Pro Juniors sowie gegen den Regionalliga-Aufsteiger EC "Atlantis" Ulm/Neu-Ulm.

Das Gesicht der Wölfe wurde für die Saison 2002/03 erneut stark verändert. Neben einigen Ergänzungsspielern, wie Florian Jahrmann (nach Salzgitter) u. Gabriel Gaube (nach Stuttgart) wurde Torwart-Urgestein Ralf Weinl (zum Lokalrivalen Memminger Indians), Peter Westerkamp (nach Selb) und Kapitän Helge Pyka (nach Kempten) nicht mehr weiterverpflichtet. Zusätzlich verließen gleich drei Spieler: Andreas Becherer, Christopher Eisenlohr und Derek Switzer den Verein in Richtung Norden zum Konkurrenten EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm.

Außerdem musste aus finanziellen Gründen noch der Abgang von Stürmer Mike Melas (nach Amerika) verschmerzt werden. Hoffnungen ruhten neben dem Sympathieträger Colin Anders (mit deutschen Pass), der aufgrund von Sponsorenzusagen gehalten werden konnte und dem schwedischen Kapitän des Teams, Marcus Abrahamsson, auf zwei Nobodys. Die Nagle-Brüder, Bobby und Jim aus Boston/Massachussetts, zwei US-Boys, die bisher noch keine Erfahrung außerhalb von Nordamerika sammeln konnten wurden außerdem verpflichtet.

Aber Memmingen hatte ja in der Vergangenheit mit Brüdern (Lowden-Zwillinge) bereits gute Ergebnisse erzielen können. Damit wären neben den Nieder-Brüdern Ingo u. Fabian, sogar zwei Brüder-Paare erstmals im Kader gestanden, aber Fabian Nieder entschied sich überraschend mit dem Eishockey aufzuhören. Neben der Vertragsverlängerung des Letten Sergejs Boldavesko und der Verpflichtung des Italo-Kanadier Mike Spadacini und des Verteidigers Klaus Forster von der EA Kempten, wurde nach längerer Beobachtung der junge Kanadier Dan Gilbertson, als letzter Kontingentspieler ein weiterer Stürmer verpflichtet.

Gehofft wurde von den Verantwortlichen sowie von Trainer Erwin Merath eine ähnliche gute Rolle wie in der Vorsaison zu spielen. Dies erwies sich aber als sehr schwierig weil zum einen die Leistungsdichte in der jetzigen Liga aus drei Ober- und sechs Regionalligisten sowie dem EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm höher als zuvor war und zum anderen, weil bei den Wölfen ein rigoroser Sparkursus gefahren werden sollte. In der vergangenen Runde (2001/02) konnte das finanzielle Aus (Verbindlichkeiten von 56.000 Euro) nur knapp verhindert werden.

Bereits die Erfüllung der Oberliga-Lizenz (Vorlage einer Bankbürgschaft in Höhe von 25.000 Euro und der Vorlage von Werbeverträgen im Wert von 20.000 Euro) waren für die Memminger Wölfe eine hohe Hürde, die jedoch mit vereinten Kräften gemeistert werden konnte. Für Unruhe innerhalb des Vereins sorgten Aussagen von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, dass die Tage der Wölfe, aufgrund finanzieller Nachforderungen an den Verein, gezählt sind. Am Ende erwiesen sich diese Gerüchte jedoch nur als eine weitere Luftblase von einigen "Spezialisten", die bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang Juli zunächst zerplatzte.

In dieser Saison war es also das vorrangige Ziel sich finanziell abzusichern indem man einen strikten Sparkurs einhielt, um so etwas wie in der letzten Saison, bei der man nur knapp der Insolvenz entging, zu verhindern. Die erste Oberliga Saison für den EHC brachte einige neue und interessante Gegner wie beispielsweise den EV Füssen, EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm, EC Peiting und TuS Geretsried sowie in der Abstiegsrunde den ESV Bayreuth, KEV Hannover und Namensvetter ERC Selb. Rückblickend verkaufte man sich aber ziemlich gut wenn man bedenkt dass sich einige Mannschaften sehr gut verstärkt hatten, vor allem aber weil sich der Kapitän und Leistungsträger Marcus Abrahamsson mit einem Kreuzbandriss schon ziemlich früh verabschieden musste.

Auffällig war außerdem, dass im Gegensatz zur vorigen Saison fast alle Derbys gewonnen werden konnten darunter alle 4 gegen Ulm, gegen Kempten 2 und gegen Ravensburg ebenfalls 2. Zum Angstgegner avancierte der TEV Miesbach, der erst schlecht in die Saison startete, dann aber nach dem ersten 6:2 Erfolg (2 weitere folgten) gegen den EHC immer besser wurde, was soweit führte das der TEV sogar die Playoffs erreichte und zum absoluten Überraschungsverein wurde. Memmingen konnte ebenfalls bis kurz vor Schluss um den 5.Platz mitspielen wurde dann aber doch Tabellensiebter.

Nicht auszurechnen was alles möglich gewesen wäre wenn Abrahamsson noch mitgespielt hätte. Für ihn wurde zwar ein, in den ersten 3 Spielen, fast gleichwertiger Ersatz namens Petr Precan (aus Solingen) gefunden, der dann aber in den darauffolgenden Spielen nur noch sein 30 prozentiges Leistungspotential abrief. Dies führte soweit, dass er von Trainer Erwin Merath dann sogar als "übler Abzocker" bezeichnet wurde. Auf den Amerikaner Jeremy Garrison, der während der Saison zum EHC wechselte, wurde man beim Vorbereitungsspiel Memmingen gegen die Canadian University All-Stars aufmerksam. Dadurch musste jedoch Dan Gilbertson gehen der aber auch eine ordentliche Leistung ablieferte. Zusätzlich wurde noch das junge Talent Ralph Gorges von den Selber Wölfen geholt. Peter Schmid und Andi Weißenborn, die überraschend zu ihrem alten Verein Kempten zurückkehrten, und Klaus Forster (zum Österreichischen 2.Ligisten Dornbirn) konnten jedoch nicht gehalten werden und verließen während der Saison den Verein. In der Abstiegsrunde die sich auf Grund des Spielmodus als etwas langweilig erwies verlor man die ersten 3 Spiele mit 1:6, 3:7, 0:2 gegen Bayreuth, Ravensburg sowie Hannover wodurch die Hoffnungen auf den ersten Tabellenplatz leider begraben werden mussten. Das leider muss besonders betont werden, da dieser erste Platz die Teilnahme am DEB Pokal garantiert hätte, bei diesem unter anderem eventuell attraktive Gegner wie Köln oder Mannheim auf den EHC gewartet hätten. Am Ende kam der EHC dann auf den 5. Tabellenplatz und ließ sogar noch den EV Ravensburg und die EA Kempten hinter sich. Der letztere Verein, die EA Kempten, ist sogar nur knapp dem Abstieg entgangen.

Die Youngster Andi Börner, Manfred Pietsch, Armin Hartmann (alle Stürmer) und Torwart Marc Bartsch bekamen außerdem vom Trainer eine Chance und wurden des Öfteren eingesetzt. Vor allem Andi Börner zeigte sein enormes Potential auf und wurde aus gutem Grund zum besten Youngster gewählt. Christoph Lerchner absolvierte seinen Part in der Abwehr hervorragend und wurde mit Colin Anders nach dem Ausfall von Marcus Abrahamsson zu den Stützen in der Abwehr.

Pacal Merath hatte außerdem die Möglichkeit durch das Zusammenspiel mit den Nagles einiges dazu zu lernen. Ingo Nieder spielte ebenfalls eine gute Saison und erwies sich als ein wichtiger Mannschaftsspieler obwohl er kein großer Torjäger ist. Mike Spadacini entwickelte sich zu einem guten Ersatzkapitän und wurde zum Liebling des Publikums, von dem er regelmäßig mit Italia, Italia Rufen gefeiert wurde. Sergejs Boldavesko, der das Publikum oft mit seine technischen Raffinessen entzückte, wurde berechtigt zum besten Spieler der Saison 2002/03 gewählt.


Saison 2002/03

"Memmingens erstes Oberligajahr" - Ein Saisonrückblick am Abend nach dem letzten Spiel

30.03.2003

Weiden/Memmingen (ol); Für die einen geht es jetzt erst richtig los, für die anderen beginnt die Zeit der Regeneration, Entspannung und Planung. Während die acht Spitzenteams der Eishockey Oberliga in den nun ausstehenden Play-Off-Partien den Meister und damit den Aufsteiger in die 2. Bundesliga ermitteln, verabschiedeten sich an diesem Sonntagabend 12 Mannschaften in die Sommerpause. Die Letztplatzierten der Meisterrunde, Geretsried und Miesbach, sowie die zehn Teilnehmer an der Abstiegsrunde hatten heute ihren vorerst letzten Auftritt. Darunter auch der EHC Memmingen. Auf die Verantwortlichen warten nun harte und kräftezehrende Wochen der Verhandlungen und Planungen. Und daher ist es gut, den Blick nach vorne gerichtet zu halten. Uns aber sei ein kleiner Rückblick erlaubt.

Wie in jedem Jahr so begann für viele Eishockeyvereine Deutschlands schon im Sommer des Jahres 2002 ein weiteres Kapitel "Überlebenskampf pur" Unter der gesamtwirtschaftlichen Problematik in unserem Land hat auch der Sport zu leiden, dessen waren sich die "Macher der Liga" schnell bewusst.

Und auch den Verantwortlichen beim EHC Memmingen war schon bald klar, dass die neu strukturierte Oberliga eine Herausforderung darstellt, die aber aus finanziellen Gesichtspunkten nur schwer zu meistern ist. Zu viele Vereine riskieren Jahr für Jahr einen Tanz auf der Rasierklinge, setzen durch die Zusammenstellung schlagkräftiger, aber teurer Spielerkader ihre Konkurrenten sportlich unter Druck. Diesem Druck geben die sich im Nachteil wägenden Clubs oft nach... und geben dabei dringend notwendige Sparkurse auf.

Nicht aber der EHC Memmingen: Als sich die Herren Mayer, Schnitzler und Beyer im Juni 2002 auf einen strikten Sparkurs für die Saison 2002/2003 einigten, da schafften sie sich mit dieser Entscheidung nicht nur Freunde. Gott sei Dank sollte der weitere Verlauf der Saison zeigen, dass die drei Musketiere den richtigen Weg eingeschlagen hatten.

Während nicht nur beim benachbarten Aufsteiger EC Ulm/Neu-Ulm das Geld "reingebuttert" wurde und sich die meisten Ligakonkurrenten auf einfache Spiele gegen den EHC Memmingen" einstellten, ging man beim EHC unbeirrt seinen Weg. Switzer, Eisenlohr und Becherer waren nach Ulm gewechselt, Mike Melas war zuerst in Ravensburg im Gespräch, dann aber in den USA geblieben, Helge Pyka ein Eisbär geworden. Westerkamp ging nach Seib, Gaube nach Stuttgart, Jahrmann nach Salzgitter und "Birne" Weinl zu den Indians.

Es musste eine nahezu komplett neue Mannschaft zunächst auf dem Papier und dann auf dem Eis geformt werden. Zu den Stützen des Teams sollten die Neueinkäufe um und Bobby Nagle werden (wobei die beiden mit herzlich wenig Vorschusslorbeeren bedacht wurden). Zu deren Unterstützung wurde Mike Spadacini verpflichtet und kurz vor Saisonbeginn ein weiterer Unbekannter": Dan Gilbertson.

Die Eishockey-Fachwelt schätzte die Stärke der Memminger Wölfe für die anstehende Saison "so zwischen Platz 7 und 9" ein - selbst die landesweit marktführende Zeitschrift Eishockey News prophezeite dem EHC eine schwere Saison mit Abstiegssorgen. Kemptens Trainer Carlo Jung meinte, dass Ulm sich am besten verstärkt habe, sein Team sich aber keinesfalls hinter Memmingen oder Ravensburg einreihen lassen wolle.

"Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt". Apropos "anders" - der Spieler mit eben diesem Nachnamen war wieder an Bord und fand beim EHC Memmingen abermals seinen Arbeitgeber. Zusammen mit Marcus Abrahamsson, dem schon in der Vorbereitung zwei herrliche Tore gelangen, sollte Colin der Verteidigung durch Übersicht und Ruhe Stärke verleihen. Zu den Defendern gesellte sich noch Klaus Forster, der aus Kempten in die Maustadt gewechselt war.

Die Achtungserfolge in der Vorbereitungsphase (unter anderem ein 4:2-Erfolg in Füssen) wurden zu Beginn der Vorrunde" schnell Vergangenheit: Dem Auftaktsieg gegen Ulm folgten knappe Niederlagen gegen Geretsried, Peiting, Kempten und Füssen. Viele fühlten sich in ihren geäußerten Bedenken bestärkt und trauten der Mannschaft noch weniger als erwartet zu, vor allem, weil der Kapitän Marcus Abrahamsson nach nur drei Spielen verletzungsbedingt ausfiel (und das für den Rest der Saison!).

Das Personalkarussell begann sich zu drehen: Für den zunächst erfolgreichen, dann aber glücklosen Dan Gilbertson kam Jeremv Garrison. Ein "alter Bekannter" wurde beim EHC vorstellig: Dusan Canik. Von den Selber Wölfen wechselte der junge Ralph Gorges nach Memmingen und als Abrahamsson-Ersatz konnte letztendlich Petr Precan aus Solingen geholt werden.

Der Trainer, Erwin Merath, machte sich über die Grenzen des Allgäus hinaus einen Namen als Motivationskünstler. Ihm gelang es, bei den Spielern Woche für Woche das ganze Potenzial abzurufen, auch wenn der EHC oftmals dem Gegner unterlegen war. Nachdem auch Schmid, Weißenborn (beide nach Kempten) und Forster (nach Dornbirn) gegangen waren, gelang dem EHC eine furiose Aufholjagd: In der Zeit vor und nach Weihnachten gelangen den Wölfen sechs Siege in acht Spielen - bis die Serie von dem direkten Konkurrenten um den fünften Platz, dem TEV Miesbach, gestoppt wurde. Der EHC unterlag zum drillen Mal gegen den TEV mit dem gleichen Ergebnis von 2:6 und begrub damit die Hoffnungen auf einen "Coup" wie in der Vorsaison, als die Aufholjagd mit der Play-Off-Teilnahme gekrönt werden konnte.

So aber musste der EHC am Ende mit dem siebten Platz Vorlieb nehmen, hatte jedoch großen Vorsprung vor den einst stärker eingeschätzten EC Ulm/Neu-Ulm (6 Punkte) und EA Kempten (10 Punkte). Für die Eisbären sollte es die schwärzeste Saison seit langem" werden.

Zahlen sagen nicht immer die volle Wahrheit. Hin und wieder ist ein Blick auf die Statistiken jedoch ganz hilfreich. In den direkten Vergleichen mit den anderen Teams zog sich der EHC Memmingen im Laufe der Saison ganz achtbar aus der Affäre. Wer hätte vor der Spielzeit eine derartige Bilanz erwartet (direkter Vergleich an Erfolgen; in Klammern der Vergleich in der Abstiegsrunde): Gegen Peiting 0:4 (-), gegen Ravensburg 2:2 (1:1), gegen Ulm 4:0 (0:2), gegen Geretsried 2:2 (-) darunter der höchste Heimsieg mit 7:2 -, gegen Kempten 2:2 (1:1), gegen Klostersee 1:3 (-) darunter die höchste Heimniederlage mit 3:8 -, gegen Miesbach 1:3 (-), gegen Augsburg 4:0 (2:0), gegen Füssen 0:4 (-).

Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Memminger als einziges Team der zweiten Tabellenhälfte dem Tabellenführer Peiting so viel abverlangt hatten (z.B. beim denkbar knappen 6:7) und auch den Füssenern in zumindest zwei Partien Paroli bieten konnten (ebenfalls eine 6:7-Heimniederlage). Entscheidend über die (Nicht-)Teilnahme an der Meisterrunde waren wohl die Niederlagen gegen Miesbach (abgesehen davon, dass sich die River Rats und der TEV am Ende "ganz lieb" hatten...).

Schwamm drüber - dachte man sich. Schließlich hatte der EHC das Saisonziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und hin und wieder Derbysiege zu feiern, eigentlich schon erreicht.

Bevor wir ein paar Worte zur Abstiegsrunde verlieren, hier noch einige interessante Zahlen: Der Vorrunden-Torhüter mit den wenigsten Gegentoren der Liga (!) war Ivo Capek (Miesbach) mit 2,59 Gegentoren (Schnitt) in 36 Spielen. Der zum großen Rückhalt der Wölfe avancierte Florian Warkus wurde in dieser Rubrik Siebter (3,17 GT im Schnitt). Ihm gelangen zwei Shutouts, denen er in der Abstiegsrunde zwei weitere folgen ließ.

In der Auswärtstabelle der Vorrunde rangiert der EHC auf dem fünften Platz; in der Gunst der Zuschauer erfreute sich der Verein des dritten Südwest-Liga-Platzes mit durchschnittlich 1044 Zusehern. Statistisch gesehen war das 2. Drittel das schlechteste der Memminger (dafür waren sie gegen Ende der Begegnungen meist richtig gut).

In der Offensivabteilung war Sergejs Boldaveshko bester Memminger. Doch mit "Petr Zajonc Superstar" konnte auch er nicht gemessen werden. Der kleine Wirbelwind in Reihen des EHC Klostersee wurde unangefochtener Scorerkönig der Südwestgruppe mit sagenhaften 83 Punkten (41 Tore und 42 Assists). Sein Kamerad Porak war Zweiter (70 Punkte) und erst mit Abstand folgte Ravensburgs Miklik (56) - ein Ex-Memminger.

Genug der Zahlen. In der Abstiegsrunde setzte es für den EHC Memmingen zunächst drei herbe Dämpfer (1:6, 0:5, 0:2). Allerdings hießen die Gegner Bayreuth (die laut Aussage Erwin Meraths in einer späteren Pressekonferenz, aufgrund der Spielstärke in der Abstiegsrunde nichts zu suchen" hatten), Ravensburg (die sich damals am Leistungszenit befanden) und Hannover Indians (die sich von dieser Saison wohl auch ein wenig mehr versprochen hatten). Dann aber folgten fünf Siege aus sechs Partien.

Nun beendet der EHC Memmingen seine erste Oberliga-Saison auf Platz 5 der Abstiegsrunde (hat also fünf weitere Teams hinter sich gelassen, darunter die enttäuschenden Kemptener Eisbären). Angesichts der Erwartungen war das Auftreten unserer Jungs - von einigen "Ausrutschern" abgesehen - aller Ehren wert.

Quelle: www.ehc-memmingen.de

Das traurige Ende

Für die nächste Saison wollte der Verein den größten Teil des Teams halten, jedoch kam alles anders. Während der Sommerpause erreichte die Fans des EHC Memmingen eine erschreckende Hiobsbotschaft in Form eines Insolvenzantrages, was jedoch schon einige Leute voraus gesehen haben. Dazu die News von Radio Prima 1 vom 07.05.2003:

"Nach dem gestellten Insolvenzantrag des Oberligisten EHC Memmingen gibt es nur noch eine Hoffnung, dass es weitergeht. In den nächsten Tagen müsste sich eine Betriebsgesellschaft gründen, die die erste Mannschaft übernimmt und mit Lizenzgebühren den Hauptverein entschuldet.

Allerdings: Die Zeit drängt - bis 15. Mai müssen die Lizenzierungsunterlagen für die Oberliga eingereicht werden. Wenn keine Betriebsgesellschaft zustande kommt oder das Memminger Amtsgericht das Insolvenzverfahren nicht eröffnet, bedeutet dies das Aus der "Wölfe".

Der Nachwuchs- und die Damen müssten sich dann einem anderen Memminger Verein anschließen oder einen neuen Eishockeyclub gründen, um weiter spielen zu können.

In beiden Fällen ginge es aber in den untersten Spielklassen."

Nun wurde also eine Betriebsgesellschaft (Wölfe GmbH) mit dem Ziel den EHC Memmingen zu retten gegründet. Außerdem verlängerte die ESBG die Abgabefrist der Lizenzierungsunterlagen. Bis Freitag den 30. Mai musste der noch fehlende Wirtschaftsplan bei der ESBG abgegeben werden. Nach einer möglichen Genehmigung des Insolvenzplans hätten dann noch die Unbedenklichkeitsbescheinigungen vom Finanzamt, Krankenkasse und Berufsgenossenschaft abgegeben werden müssen. Hinzu kam, dass sich Burkhard Stüwe nicht mit den Gesellschaftern einigen konnte und nun doch nicht - wie erst geplant - Geschäftsführer wurde.

Bericht von Prima 1: "Die nächsten Tage stehen weitere Gespräche in Sachen Oberliga-Lizenz zwischen dem EHC Memmingen und der für den Spielbetrieb zuständigen ESBG an. „Das sind weitere Bausteine, wo es ein Schrittchen weitergeht", so Wölfe-Geschäftsführer Bernd Schmid. Endgültiges werden diese Tage aber noch nicht bringen. Für die Gläubigerversammlung des insolventen Vereins gibt es noch keinen Termin. Die Wölfe-GmbH, die künftig den Oberliga-Betrieb organisiert, ist in dieser Woche mit einem Stammkapital von 25.000 Euro ins Handelsregister eingetragen worden. Die Planungen laufen weiter - auch im Bereich Sponsoring. Hier geht Schmid davon aus, dass es Zuwächse geben wird. Der Hauptsponsor, die "Memminger Brauerei", bleibt den "Wölfen" weiter erhalten."

Wie man es aus den News herauslesen kann, wurde heftig weitergeplant und einige Spieler verpflichtet. Unter diesen Spielern waren vielversprechende Neuzugänge wie Michael Winnerl (Star Bulls Rosenheim), Rudolf Schmunk (Hannover Indians), Christopher Eisenlohr (EC "Atlantis" Ulm/Neu-Ulm), Jonas Forslund (Gislaveds SK/1. schwedische Division) und Thomas Korte (Augsburger EV 1b). Außerdem wurde der Schwede Magnus Roupé als Trainer verpflichtet, der ein junges und ehrgeiziges Team aufbauen wollte. Er war unter anderem ehemaliger NHL Spieler (bei den Philadelphia Flyers) und DEL Spieler (bei den Eisbären Berlin). Viele EHC Fans waren sich schon ziemlich sicher, dass der EHC die Lizenz erhält da kam plötzlich eine erneute Schreckensnachricht:

"Die Lizenzerteilung für den Oberligisten EHC Memmingen ist nach einer Anhörung vor der Eishockey-Spiel-Betriebsgesellschaft (ESBG) sehr unwahrscheinlich geworden.

Am Montag läuft die Frist für die Einreichung aller notwendigen Unterlagen ab. Der ESBG liegt aber nicht der erforderliche Insolvenzplan vor.

ESBG-Geschäftsführer Helmut Bauer sagte, dass es für Memmingen keine Fristverlängerung geben wird. Während Geschäftsführer Bernd Schmid beteuert, dass alles zur Rettung des Memminger Eishockey getan wurde, erhebt Insolvenz-Gutachter Matthias Dorn schwere Vorwürfe.

Der Insolvenzplan liege seit mehreren Wochen bei Gericht, doch bisher sei von GmbH-Seite nichts mehr passiert. Wenn dem EHC Memmingen die Oberliga-Lizenz verweigert wird, bleiben zwar noch weitere Wege, aber zum jetzigen Zeitpunkt stehen die Chancen schlecht.

Alle Planungen und der geplante Start des Dauerkartenverkaufs wurden von GmbH-Seite sofort gestoppt."

Schließlich bekam Memmingen zur tiefsten Enttäuschung aller Fans nicht die Lizenz für die Oberliga:

"Der EHC Memmingen steht vor dem endgültigen Aus.

Nach Auskunft von Bernd Schmid von der Wölfe-GmbH ist es nicht möglich die vorgegebenen, verschiedenen Fristen einzuhalten. Es liege nicht am Geld, wies Schmid eine Prima-1-Meldung zurück, wonach die Finanzierung der Insolvenz gescheitert sei. Der Insolvenz-Gutachter werde nach Schmids Informationen den Insolvenzplan nun aber zurückziehen. Für die EHC-Nachwuchsabteilung und die Damen-Mannschaft bleibt jetzt praktisch nur noch ein Weg.

Der Amateurbereich muss sich den Memminger "Indians" anschließen, um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können. Voraussetzung dafür ist nach Verbandsrecht allerdings, dass der EHC selbst aufhört zu existieren.

Der Übertritt des Amateurbereichs zu den "Indians" wird jetzt auf Hochtouren vorbereitet - 80 Prozent der Nachwuchsspieler- und Spielerinnen müssen mitmachen", so Sprecher Peter Gemsjäger.

Die "Wölfe"-GmbH will zur aktuellen Lage aus ihrer Sicht am kommenden Donnerstag gegenüber der Presse noch Stellung nehmen."

Zum Glück konnte sich die Nachwuchs- und Damenmannschaft dem ECDC Memmingen anschließen und somit gerettet werden...

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