EHC Memmingen

Der Neubeginn (1994 - 2002)

Der SC ist tot, es lebe der EHC. Der neu gegründete Eishockeyclub, man gab sich den Nickname "Die Wölfe", musste in der Saison 1994/95 ganz unten in der Bezirksliga - Gruppe 4 beginnen. Memmingen wurde bereits im ersten Jahr seines Bestehens Gruppenerster und damit automatisch Aufsteiger in die Landesliga. Im Finale um die Bezirksliga-Meisterschaft scheiterten der EHC nur am ESV Bayreuth. Am Ende fehlten zwei zu wenig geschossene Tore, da die beiden Spiele ausgeglichen gestaltet wurden. Als Vizemeister der Bezirksliga wurde die Saison beendet.

In der Saison 1995/96 startete man in der Gruppe 4 der bayerischen Landesliga. In der Vorrunde wurde man souverän Gruppensieger und auch in der anschließenden Hauptrunde erreichte der EHCM den ersten Rang der Landesliga -Gruppe 4. In der nachfolgend ausgespielten Meisterrunde der Landesligen musste man sich nach dem EV Dingolfing und dem ESV Bayreuth mit den dritten Rang begnügen. Direktaufsteiger in die Bayernliga waren die beiden Bestplatzierten, aufgrund des Verzichts des ehemaligen Bayernligisten EV Berchtesgaden, stieg der EHC Memmingen als Tabellendritter am grünen Tisch als Nachrücker in die Bayernliga auf.

Nach zwei erfolgreichen Spielzeiten, die jeweils mit einem Aufstieg belohnt wurde, musste in der Saison 1996/97 in der Bayernliga der erste Rückschlag verzeichnet werden. Sowohl in der Vorrunde der Gruppe West mussten sich die Allgäuer als Tabellenzweiter wiederholt dem ESV Bayreuth, als auch in der Meisterrunde als Tabellendritter erneut dem ESV Bayreuth und auch dem EV Pfaffenhofen geschlagen geben. An dem ESV Bayreuth, der eine glanzvolle Spielzeit hinlegte, die mit dem Aufstieg in die 2. Liga belohnt wurde, kamen die Allgäuer in den letzten zwei Jahren einfach nicht vorbei.

Als Tabellendritter war die Möglichkeit an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilzunehmen leider verspielt, deshalb startete der ECHM in der Saison 1997/98 erneut in der Bayernliga. In der Gruppe West der Bayernliga wurde der Club souverän Gruppenerster, ließ jedoch in der nachfolgenden Meisterrunde, obwohl die übermächtigen Bayreuther im Jahr zuvor aufgestiegen waren, den vorherigen Elan vollständig vermissen und leichtfertig verspielen. Die Saison beendete man enttäuschend auf den 5. Rang. Wieder hatte der ECHM die Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd verpasst. Die Konsequenz war ein weiteres Jahr in der Bayernliga. In der Saison 1998/99 sollte es aber endlich klappen. In der Vorrunde der Gruppe West musste sich der Club zwar noch hinter der EA Kempten einreihen, in der nachfolgenden Meisterrunde konnte man erstmals den ersten Platz belegen und als gekrönter Bayernliga-Meister vor der EA Kempten an der Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd teilnehmen. In der Aufstiegsrunde mussten die Allgäuer aber erneut der EA Kempten den Vortritt lassen. Als Tabellenzweiter vor dem Sachsen-Meister ESC Dresden und dem Baden-Württemberg-Meister ERC Schwenningen Ib war der Direktaufstieg leider nicht gelungen. Der ECHM nutzte jedoch die

Eintrittskarte aus dem Jahr 1998 für das Spiel Memmingen gegen Klostersee mit Autogramm von Stephan Bauer

zweite Chance. In der Relegation des Tabellenzweiten mit dem Tabellenvorletzten der 2. Liga Süd, dem EHC Klostersee, konnten die Memminger in zwei Spielen (2 Siege, 8:6 Tore) den lang erhofften Aufstieg erzielen. Damit war die Vorstandschaft, des EHCM, die nach dem Konkurs des damaligen Schlittschuhclubs antrat, am Ziel ihres selbst gesteckten Fünf-Jahres-Planes, der besagte, dass die Wölfe innerhalb diesen Zeitraumes wieder den Sprung in eine DEB-Liga schaffen sollten, angelangt Den Versuch des DEB, mit seiner höchsten Klasse (Bundesliga) an der Vormachtstellung der DEL zu rütteln, war gescheitert. Gescheitert am Zuspruch der Anhänger, aber auch am geringen Interesse von TV-Anstalten und Sponsoren.

Helge Pyka

Lange Jahre der Verwirrung für die Fans, lange Jahre der Auseinandersetzung für die Verantwortlichen der DEL und des DEB, nach denen nun alles wieder beim Alten ist. Denn es folgte ab der Saison 1999/2000 erneut eine Ligenstruktur. Die DEL hieß künftig wieder 1. Bundesliga, die Bundesliga (DEB) zweite Liga, die 1. Ligen Nord und Süd (DEB) Oberligen und die 2. Liga Süd (DEB) wird in der kommenden Spielzeit als Regionalliga Süd ihren Dienst aufnehmen. Damit war nun auch klar, dass der EHCM in der vierthöchsten Liga, der Regionalliga Süd in der Saison 1999/00 an den Start ging. Die Memminger hatten sich für die Runde mit den 18-fachen Nationalspieler Stefan Steinecker und mit Jaroslav Benak, einem hochkarätigen tschechischen Abwehrstrategen vom EC

Martin Löhle

Peiting, sowie mit einem weiteren Tschechen, Vladimir Petrovka vom HC Litvinov, und dem Schweden Dejan Kostic vom IFK Arboga, verstärkt. Vom EC Ulm kam noch der junge Stürmer Achim Briechle. Zu den bewährten Kräften zählte man Routinier Herbert Kuisle, in der Bayernliga mit 89 Punkten Top-Scorer des EHCM, Goaly Ralf Weinl, Verteidiger Helge Pyka und Stürmer Günter Hartmann. Gespannt waren die Fans auf das bis dahin größte einheimische 18-jährige Eishockey-Talent Martin Löhle.

Das Stadionheft Powerplay vom 21.12.99 (Memmingen gegen Kaufbeuren) mit Autogramm von Martin Löhle

Insgeheim hatten sich die Allgäuer erhofft, sich für einen Platz unter den besten sechs zu qualifizieren, um so an der lukrativen Aufstiegsrunde zur Oberliga Süd teilzunehmen. Als die Felle davon zu schwimmen drohten, wurde mit Peter Lowden ein alter Bekannter und mit Joseph Hayse, ein vom EV Füssen kommender und langjähriger Top-Stürmer vom EC Ulm/Neu-Ulm, nochmals namhaft nachgerüstet. Trotzdem blieb unter dem Strich "nur" der undankbare siebte Platz und damit der Gang in die Qualifikation zur Regionalliga Süd. Der Klassenerhalt war jedoch für die Wölfe freilich kein Problem. Als Tabellenzweiter beendete der EHCM, hinter dem EV Landsberg, als fairste Mannschaft in beiden Runden die Saison.

Im zweiten Regionalliga-Jahr der Saison 2000/2001 setzte der ECHM auf eine Mischung aus vielen jungen Gesichtern und einigen Routiniers. Von den bisherigen Kontingentspielern weiterverpflichtet wure nur Jaroslav Benak, der trotz seiner mittlerweile 38 Jahren zu den großen Stützen in der Abwehr zählte. Bei der Besetzung der jetzt vier Ausländerstellen bauten die Wölfe nun auf die tschechische und kanadische Linie.

Jiri Cihlar

Neben Publikumsliebling Peter Lowden, der einen deutschen Paß vorweisen konnte, stürmte künftig der Tscheche Jiri Cihlar von Dukla Jihlava und die beiden jungen Kanadier Jamie Hogan und Aaron Lewis, die dann aber als zu schwach befunden und noch vor Punktspielstart wieder ausgemustert wurden. Als Ersatz wurden ebenfalls zwei blutjunge Kanadier, Chris Sandau und Sean Adamick geholt. Letzter blieb bis Saisonende, Sandau sollte vor Weihnachten 2000 nach Hause geschickt werden. Als Abgänge verzeichneten die Wölfe, u.a. Stefan Steinecker, der seine Laufbahn beendete, Joseph Hayse der zum ESV Königsbrunn wechselte und die beiden ausländischen Stürmer Petrovka und Kostic, die in den entscheidenden Spielen enttäuscht hatten. Bitter war sicherlich auch der Weggang von Günter Hartmann, in der Vorrunde noch viertbester Scorer der Wölfe, der sportlicher Leiter bei der EA Kempten werden sollte. In der Vorrunde wurde der EHCM die positive Überraschung der Liga. Die Experten von der Fachzeitschrift Eishockey-News tippten die Memminger auf den achten Rang und selbst die größten Optimisten im rot-weißen Anhang hätten nie und nimmer mit dem vierten Tabellenplatz gerechnet. Wie knapp die Wölfe den Schlußspurt schafften, zeigt die Bilanz: Nur ein Punkt fehlte dem Tabellenfünften ERV Schweinfurt und anstellte des EHCM wären diese in der Relegation zur Oberliga Süd gewesen.

Die freie Ausländerstelle von Sandau besetzte schließlich Roman Mejzlik, der beim Nord-Oberligisten ESC Dresden überzählig war und den Trainer Leos Sulak gerne schon früher gehabt hätte. Mejzlik verstand sich blind mit Top-Stürmer und Top-Scorer Jiri Cihlar und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Wölfe, die fast ausschichtslos dem vierten Platz hinterherhinkten, doch noch im Endspurt in die Play-Offs rutschten.

Zwar verlor dort der ECHM im Best-of-Five-Modus gegen den Oberliga-Neunten, ERC Haßfurt eindeutig und schnell die ersten drei Spiele (7:3, 5:1, 5:4 n.P.) und verpasste somit den Aufstieg zur Oberliga Süd. Aber dies war nicht ganz so tragisch, zumal alle vier Regionalligsten (Blue Devils Weiden, EV Ravensburg und der EHC Klostersee) in den Play-Offs an den Oberligisten scheiterten und so ihre Dominanz unter Beweis stellten. Auch in der Saison 2001/02 sollte der EHCM eine gute Rolle in der Regionalliga Süd spielen, allerdings mit kleinerem Etat als bisher. In der vergangenen Runde kam der sportliche Endspurt und damit auch der Zuschauerzuspruch zu spät, das Dilemma bei der Besetzung der Ausländerpositionen hinterließ ebenfalls Spuren in der Vereinskasse. Am Ende blieb auch bei den so seriös wirtschaftenden Memmingern ein beträchtliches Minus. Nachdem der EHC jedoch Überraschungsvierter geworden war, wurden die Ziele hoch gesteckt. Auf jeden Fall wollten die Wölfe Platz drei oder vier erreichen. Um das zu ermöglichen, wechselte Publikums-Liebling Peter Lowden hinter die Bande und löste Leos Sulak als Trainer ab. Aufgrund der guten Erfahrung aus der letzten Spielzeit, versuchte man es wieder mit einer Mischung aus routinierten und jungen Kräften über die Runden zu kommen, wenngleich der Gürtel finanziell enger geschnallt werden musste. Aus Kempten wurden mit Peter Schmid und den ehmaligen Ulmer Spielern Andreas Weißenborn und Andreas Becherer gleich drei Spieler vom Ligarivalen EA Kempten geholt.

Richten sollten es vor allem vier Kontingentspieler. Die beiden Kanadier Paolo D´Ambrosi und Mike Melas, sowie der Schwede Marcus Abrahamsson und der ehemalige lettische Nationalspieler Sergejs Boldaveshko.

Sergejs Boldavesko

Marcus Abrahamsson

Mike Melas

Peter Lowden musste jedoch schnell erkennen, dass er sich zumindestens mit der Empfehlung vom letztjährigen Orts-Rivalen Memminger Indians, dem ehemaligen Ulmer Stürmer D´Ambrosi , total verzettelt hatte. Der Italo-Kanadier brachte nicht dass, was man sich von ihm versprochen hatte und musste bald gehen. Nach dem zu Hause kein einziges Derby gegen die EA Kempten und den EV Ravensburg gewonnen wurde, blieben die Zuschauer fern und der Verein versuchte mit Neuverpflichtungen dies zu kompensieren. Aber auch mit den Kanadiern Derek Switzer vom KEV Hannover, Colin Anders vom Rostocker EC und Peter Westerkamp vom Bundesligisten Bad Nauheim wurde der Sprung unter die ersten Top Vier nicht geschafft.

Derek Switzer

Colin Anders

Im Frühjahr 2002 drohte finanziell das Licht auszugehen, was allerdings auch daran lag, dass das übernommene Minus bei Amtsantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Mayer höher war, als damals bekannt. Die finanzielle Rettungsaktion gelang jedoch glücklicherweise. Im Januar musste dann auch noch das Memminger Eishockey-Denkmal Peter Lowden seinen Trainerposten für Erwin Merath räumen. Die Saison konnte vom neuen Trainer als Tabellensechster ordentlich zu Ende gebracht werden. Im Play-Off-Viertelfinale wurde sogar der Favorit und Tabellendritte Blue Devils Weiden beinahe in die Knie gezwungen. Im Best-of-Five-Modus ging es über die volle Distanz. Nach den beiden knappen Überraschungssiegen, verloren die Allgäuer leider die beiden nachfolgenden und auch das letzte Spiel wurde unglücklich in der Verlängerung mit 3:4 (3:2 n.P., 4:3, 0:3, 3:5, 3:4 n.V) verloren. Mit etwas mehr Glück wäre sogar eine Sensation durch die Wölfe möglich gewesen (siehe nachfolgenden Spielbericht). Das Zuschauerinteresse wurde aufgrund dieser Leistung noch einmal geweckt und nur zu gerne hätten die Wölfe, den Einzug in das Halbfinale geschafft, um noch etwas mehr Geld in die leere Vereinskasse einzunehmen. Klar war jedoch, dass die Mannschaft für die nächste Saison abgespeckt werden musste, was sowohl die Anzahl der Spieler als auch die Bezahlung betraff.

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Bericht aus der Sicht der Weidener vom legendären Playoffspiel zwischen den Blue Devils Weiden und den Memminger Wölfen

12.03.2002: Die Blue Devils gewinnen ein legendäres und schon fast verloren geglaubtes Spiel noch mit 4:3 n.V. gegen den EHC Memmingen

EHC Memmingen

vs.

Blue Devils Weiden

Ausgleich 41 Sekunden vor Schluß durch unseren "Retter" Alex Herbst und die Entscheidung in der Verlängerung in einem von Nervosität geprägten Spiel vor 2000 Zuschauern durch Milan Blaha.

Was die Blue Devils heute abend im proppenvollen Weidener Eisstadion ihren Fans an Nervenskraft zugemutet haben, das geht nicht auf die berühmte Kuhhaut. Dies war definitiv das dramatischte Spiel der gesamten Vereinsgeschichte.

Der EHC Memmingen, der den Blue Devils in den Playoffs alles und wirklich alles abverlangte, schlug sich eigentlich in den letzten Sekunden selbst und scheiterte am enthusiastisch mitgehenden Publikum und an den eigenen Nerven. Weiden hingegen hat es geschafft einen 0:2-Rückstand nach dem ersten Wochenende in einen 3:2-Playoffsieg umzuwandeln und die 2000 Zuschauer im Weidener Eisstadion machten nach dem Golden Goal von Milan Blaha die Nacht zum Tag und veranstalteten nach dem Spektakel im Stadion noch ein "italienmäßiges" Hupkonzert vor dem Weidener Eisstadion. Es war der absolute Wahnsinn.

Den Spielern kann man nur gratulieren und wirklich höchsten Respekt zollen vor dieser Leistung unter diesem Druck. Ich denke Weiden hatte von den Favoriten definitiv den schwersten Gegner in der 1.Runde, hat sich nun aber auch das meiste Selbstbewußtsein aller Favoriten geholt, was sicher die Serie gegen Ravensburg (erstes Spiel am kommenden Freitag in Ravensburg) positiv beeinflussen wird Zum Spiel selbst. Das Spiel war über 60 Minuten und in der Verlängerung von taktischen Zwängen bestimmt und beide Teams belauerten sich und

Florian Warkus

versuchten nicht die entscheidenden Fehler zu machen. Natürlich standen die Blue Devils in diesem Spiel (wie damals gegen Füssen) vor einer riesen Kulisse enorm unter Druck. Nach einigen Chancen auf beiden Seiten, unter anderem tauchten dreimal Weidener Spieler (Blaha, Kinateder und Herbst) mutterseelenalleine vor Goalie Warkus auf, gelang den Blue Devils in Überzahl das 1:0. Weißenborn saß für Memmingen auf der Strafbank und Jiri Hlinka gelang mit einem schönen Schuß in der 11. Minute die 1:0-Führung. Sekunden vor der Drittelpause glichen dann die Memminger, die eine wirklich beherzte Vorstellung lieferten, durch Andreas Becherer aus. Er wurde nach einem Konter von Boldaveshko mustergültig bedient und brauchte nur noch am chancenlosen Hirvonen vorbei einschieben. Im zweiten Drittel gingen die Blue Devils dann aus einer recht undurchsichtigen Situation in Führung. In der 25. Minute entstand ein Gestochere vor dem Tor von Warkus und Zellner schaffte es den Puck am Memminger Schlußmann vorbei ins Netz zu befördern. Doch die Führung gab den Devils nicht die erhoffte Sicherheit und Memmingen war weiterhin ein sehr gefährlicher Gegner, der im Laufe des 2.Drittels auch einen Lattenknaller zu verzeichnen hatte. Memmingen wurde zum Ende des Drittels immer besser und schoß in der 37. Minute ein Überzahlspiel zum 2:2-Ausgleich ab. Torschütze war im zweiten Nachschuß Peter Westerkamp. 45 Sekunden vor Drittelende war es dann Derek Switzer "himself" vorbehalten für eine recht ruhige und verkrampfte Drittelpause im Eisstadion zu sorgen. Ihm gelang nämlich mit einem rechten "Kullertor" auch noch zu allem Übel das von den Allgäuern vielumjubelte 3:2 für die konterstarken Memminger.

Im letzten Drittel mußten die Blue Devils also vorne Tore machen und hinten aber immer auf der Hut sein, die gefährlichen Konter der Memminger abzuwehren. Die Angriffe wirkten verständlicherweise etwas verkrampft in diesem Drittel bei den Blue Devils, scheinbar kam nun das "Füssen-Trauma" wieder in den Köpfen der Spieler hoch. Es lief zwar Angriff über Angriff auf das Memminger Tor, jedoch gelang trotz der brutal lauten Unterstützung der Fans der Ausgleich zunächst nicht. Selbst Überzahlspiele (3 mal) brachten nicht den gewünschten Torerfolg.

Dann wurde es dramatisch und denkwürdig. Die ersten Fans hatten schon Tränen in den Augen stehen und eigentlich rechnete schon fast niemand mehr mit den Devils (Hirvonen war schon für einen sechsten Feldspieler vom Eis), da geschah das Unfassbare . Das Weidener Tor war leer und der Memminger Verteidiger hatte den Puck hinter dem Tor gesichert. Statt den Puck einfach nach vorne zu schießen, versagten die Nerven des Memmingers unter dem tösenden Gebrüll der Weidener Fans und Herbst bekam den Puck zu fassen, legte ihn sich zurecht und knallte den Puck durch die Schoner von Warkus ins Tor. Das Weidener Eisstadion stand nun Kopf, wie schon seit Jahren nicht mehr. Es spielten sich auf dem Eis und auf den Rängen unbeschreibliche Jubelszenen ab. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit blieb dann nocheinmal vielen Fans das Herz stehen, als Anders ganz alleine vor Hirvonen auftauchte und vergab. Nach der regulären Spielzeit hieß es also 3:3 und in der Verlängerung wollten die Blue Devils, die konditionell frischer wirkten, die Entscheidung, da sie mit einem Penaltyschießen auf Kriegsfuß stehen.

Nach einigen Chancen für Weiden in der Verlängerung und einer riesen Möglichkeit für Memmingen, bei der vielen das Herz stehen blieb, war es dann der Topscorer Milan Blaha selbst, der die Entscheidung besorgte. In der 63. Minute war es soweit und die Stimmung im Stadion explodierte und der Lärmpegel eines Düsenjets war ein Dreck gegen diesen Jubel der Fans. Milan Blaha hielt sich einen Verteidiger mit der einen Hand vom Leib, setzte sich so durch und konnte den Puck einschieben zum so wichtigen 4:3 Endstand.

Nun spielten sich unfassbare Jubelszenen ab. Die Spieler erdrückten sich fast gegenseitig, genauso wie die Fans. Sowas gabs im Weidener Eisstadion schon lange nicht mehr und spätestens jetzt ist die reguläre Saison mit ihren Höhen und Tiefen abgehakt und Weiden befindet sich im kollektiven Eishockeyfieber und bejubelte ihre frischgebackenen Helden. Lange nach dem Spielende feierten die 2000 Zuschauer im Eisstadion noch eine richtige Party und auf dem Eis spielten sich unglaubliche Jubelszenen ab.

Die Jungs haben da heute einfach ein legendäres Spiel abgeliefert und ein enormer Druck ist von den Spielern abgefallen. Am kommenden Freitag gehts bereits weiter mit dem ersten "Aufstiegsendspiel" beim EV Ravensburg. Wenn die Mannschaft ihre Euphorie in diese Playoffspiele hinüberretten kann, dann ist dort alles drin.

Ansonsten gilt es auch einmal von dieser Stelle den Blue Devils zu einer tollen und nicht für möglich gehaltenen Aufholjagd zu gratulieren. Den Memminger Wölfen, ihren sympatischen Trainer Merath und allen Fans wünschen wir von ganzen Herzen auch in der kommenden Saison viel Erfolg und neue Sponsoren, die den Standort Memmingen erhalten. Gratulation zu einer riesen Leistung der Memminger Mannschaft und den Memminger Fans bleibt nur zu sagen: Ihr könnt auch riesig stolz auf euer Team sein, es hat einfach am Ende das Quentchen Glück gefehlt und die Sensation ist gelungen.

Der größte Sieger war natürlich der "Schatzmeister" der Blue Devils, denn wenn vor den Playoffs jemand gesagt hätte, dass an einem Dienstag abend 2000 Zuschauer zu einem Erstrundenspiel kommen würden, der wäre für verrückt erklärt worden.

Aufstellungen

Blue Devils Weiden:
Hefner, Penk, Plate, Gerber, Herbst, Grünitz, Graupner - Möstel, Bartels, Schreiber, Gruhle, Hendrikson, Blaha, Göldner, Kinateder, Hagn, Hlinka, Müller, Zellner

EHC Memmingen:
Anders, Eisenlohr, Weißenborn, Wartosch, Lerchner, Abrahamsson, Pyka - Westerkamp, Becherer, Frieß, Börner, Dietrich, Boldaveshko, Switzer, Gaube, Nieder F.

Tore

1:0 (11:25) Hlinka (Müller,Plate) 5-4
1:1 (19:45) Becherer (Boldaveshko,Switzer)
2:1 (25:26) Zellner (Bartels,Gruhle)
2:2 (37:39) Westerkamp (Switzer,Weißenborn) 5-4
2:3 (39:15) Switzer (Westerkamp)
3:3 (59:19) Herbst 6-5
4:3 (63:07) Blaha (Plate,Hlinka)

Strafzeiten

Weiden: 12
Memmingen: 14

Zuschauer (offiziel)

1707

Beste Spieler

Plate (Weiden)
Switzer (Memmingen)

Quelle: www.bluedevilsfan.de

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Die letzte Saison (2002-2003)

Die Oberliga wurde für die Saison 2002/03 erneut umstrukturiert. Mit der Integration der Regionalliga Süd und der nach geographischen Gesichtspunkten durchgeführten Aufteilung der Oberliga in zwei Gruppen je zehn Mannschaften sowie der Aufnahme des KEV Hannovers, wurde die notwendige Einigkeit erzielt. Für den EHCM bedeutete dies eine Doppelrunde gegen die letztjährigen Oberligisten EV Füssen, EC Peiting und TuS Geretsried, gegen die letztjährigen Regionalligisten EHC Klostersee und EV Ravensburg (beide Oberliga-Aufsteiger), TEV Miesbach, EA Kempten und Augsburger EV Pro Juniors sowie gegen den Regionalliga-Aufsteiger EC "Atlantis" Ulm/Neu-Ulm.

Florian Jahrmann

Das Gesicht der Wölfe wurde für die Saison 2002/03 erneut stark verändert. Neben einigen Ergänzungsspielern, wie Florian Jahrmann (nach Salzgitter) u. Gabriel Gaube (nach Stuttgart) wurde Torwart-Urgestein Ralf Weinl (zum Lokalrivalen Memminger Indians), Peter Westerkamp

Christopher Eisenlohr

(nach Selb) und Kapitän Helge Pyka (nach Kempten) nicht mehr weiterverpflichtet. Zusätzlich verließen gleich drei Spieler: Andreas Becherer, Christopher Eisenlohr und Derek Switzer den Verein in Richtung Norden zum Konkurrenten EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm.

Außerdem musste aus finanziellen Gründen noch der Abgang von Stürmer Mike Melas

Bobby Nagle

(nach Amerika) verschmerzt werden. Hoffnungen ruhten neben dem Sympathieträger Colin Anders (mit deutschen Paß), der aufgrund von Sponsorenzusagen gehalten werden konnte und dem schwedischen Kapitän des Teams, Marcus Abrahamsson, auf zwei Nobodys. Die Nagle-Brüder, Bobby und Jim aus Boston/Massachussetts, zwei US-Boys, die bisher noch keine Erfahrung außerhalb von Nordamerika sammeln konnten wurden

Jim Nagle

außerdem verpflichtet.

Aber Memmingen hatte ja in der Vergangenheit mit Brüdern (Lowden-Zwillinge) bereits gute Ergebnisse erzielen können. Damit wären neben den Nieder-Brüdern Ingo u. Fabian, sogar zwei Brüder-Paare erstmals im Kader gestanden, aber Fabian Nieder entschied sich

Ingo Nieder

überraschend mit dem Eishockey aufzuhören. Neben der Vertragsverlängerung des Letten Sergejs Boldavesko und der Verpflichtung des Italo-Kandadier Mike Spadacini und des Verteidigers Klaus Forster von der EA Kempten, wurde nach längerer Beobachtung der junge Kanadier Dan Gilbertson, als letzter Kontingentspieler ein weiterer Stürmer verpflichtet.

Erwin Merath

Gehofft wurde von den Verantwortlichen sowie von Trainer Erwin Merath eine ähnliche gute Rolle wie in der Vorsaison zu spielen. Dies erwies sich aber als sehr schwierig weil zum einen die Leistungsdichte in der jetzigen Liga aus drei Ober- und sechs Regionalligisten sowie dem EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm höher als zuvor war und zum anderen, weil bei den Wölfen ein rigoroser Sparkursus gefahren werden sollte. In der vergangenen Runde (2001/02) konnte das finanzielle Aus (Verbindlichkeiten von 56.000 Euro) nur knapp verhindert werden.

Bereits die Erfüllung der Oberliga-Lizenz (Vorlage einer Bankbürgschaft in Höhe von 25.000 Euro und der Vorlage von Werbeverträgen im Wert von 20.000 Euro) waren für die Memminger Wölfe eine hohe Hürde, die jedoch mit vereinten Kräften gemeistert werden konnte. Für Unruhe innerhalb des Vereins sorgten Aussagen von ehemaligen Vorstandsmitgliedern, wenigen Ex-Spielern sowie von Funktionären der Memminger Indians, dass die Tage der Wölfe, aufgrund finanzieller Nachforderungen an den Verein, gezählt sind. Am Ende erwiesen sich diese Gerüchte jedoch nur als eine weitere Luftblase von einigen "Spezialisten", die bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang Juli zunächst zerplatzte.

In dieser Saison war es also das vorangige Ziel sich finanziell abzusichern indem man einen strikten Sparkurs einhielt, um so etwas wie in der letzten Saison, bei der man nur knapp der Insolvenz entging, zu verhindern. Die erste Oberliga Saison für den EHC brachte einige neue und interessante Gegner wie beispielsweise den EV Füssen, EC Atlantis Ulm/Neu-Ulm, EC Peiting und TuS Geretsried sowie in der Abstiegsrunde den ESV Bayreuth, KEV Hannover und namensveter ERC Selb. Rückblickend verkaufte man sich aber ziemlich gut wenn man bedenkt das sich einige Mannschaften sehr gut verstärkt hatten, vor allem aber weil sich der Kapitän und Leistungsträger Marcus Abrahamsson mit einem Kreuzbandriss schon ziemlich früh verabschieden musste.

Auffällig war außerdem, dass im Gegensatz zur vorigen Saison fast alle Derbys gewonnen werden konnten darunter alle 4 gegen Ulm, gegen Kempten 2 und gegen Ravensburg ebenfalls 2. Zum Angstgegner avancierte der TEV Miesbach, der erst schlecht in die Saison startete, dann aber nach dem ersten 6:2 Erfolg (2 weitere folgten) gegen den EHC immer besser wurde, was soweit führte das der TEV sogar die Playoffs ereichte und zum absoluten Überaschungsverein wurde. Memmingen konnte ebenfalls bis kurz vor Schluss um den 5.Platz mitspielen wurde dann aber doch Tabellensiebter.

Petr Precan

Nicht auszurechnen was alles möglich gewesen wäre wenn Abrahamsson noch mitgespielt hätte. Für ihn wurde zwar ein, in den ersten 3 Spielen, fast gleichwertiger Ersatz namens Petr Precan (aus Solingen) gefunden, der dann aber in den daraufolgenden Spielen nur noch sein 30 prozentiges Leistungspotential abrief. Dies führte

Jeremy Garrison

soweit, dass er von Trainer Erwin Merath dann sogar als "übler Abzocker" bezeichnet wurde. Auf den Amerikaner Jeremy Garrison, der während der Saison zum EHC wechselte, wurde man beim Vorbereitungsspiel Memmingen gegen die Canadien University All-Stars aufmerksam. Dadurch musste jedoch Dan Gilbertson gehen der aber auch eine ordentliche Leistung

Dan Gilbertson

ablieferte. Zusätzlich wurde noch das junge Talent Ralph Gorges von den Selber Wölfen geholt. Peter Schmid und Andi Weißenborn, die überraschend zu ihrem alten Verein Kempten zurückkehrten, und Klaus Forster (zum Österreichischen 2.Ligisten Dornbirn) konnten jedoch nicht gehalten werden und verliessen während der Saison den Verein. In der Abstiegsrunde die sich auf Grund des

Ralph Gorges

Spielmodus als etwas langweilig erwies verlor man die ersten 3 Spiele mit 1:6, 3:7, 0:2 gegen Bayreuth, Ravensburg sowie Hannover wodurch die Hoffnungen auf den ersten Tabellenplatz leider begraben werden mussten. Das leider muss besonders betont werden, da dieser erste Platz die Teilnahme

Manfred Pietsch

am DEB Pokal garantiert hätte, bei diesem unter anderem eventuell attraktive Gegner wie Köln oder Mannheim auf den EHC gewartet hätten. Am Ende kam der EHC dann auf den 5. Tabellenplatz und ließ sogar noch den EV Ravensburg und die EA Kempten hinter sich. Der letztere Verein, die EA Kempten, ist sogar nur knapp dem Abstieg entgangen.

Die Youngster Andi Börner, Manfred Pietsch, Armin Hartmann (alle Stürmer) und Torwart Marc Bartsch

Andi Börner

bekamen außerdem vom Trainer eine Chance und wurden des öfteren eingesetzt. Vor allem Andi Börner zeigte sein enormes Potential auf und wurde aus gutem Grund zum besten Youngster gewählt. Christoph Lerchner absolvierte seinen Part in der Abwehr hervorragend und wurde mit Colin Anders nach dem Ausfall von Marcus Abrahamsson zu den Stützen in der Abwehr.

Andi Börner

Pacal Merath hatte außerdem die Möglichkeit durch das Zusammenspiel mit den Nagles einiges dazu zu lernen. Ingo Nieder spielte ebenfalls eine gute Saison und erwies sich als ein wichtiger Mannschaftsspieler obwohl er kein großer Torjäger ist. Mike Spadacini entwickelte sich zu einem guten Ersatzkapitän und wurde zum Liebling des Publikums, von dem er regelmäßig mit Italia, Italia Rufen gefeiert wurde. Sergejs Boldavesko, der das Publikum oft mit seine technischen Raffinessen entzückte, wurde berechtigt zum besten Spieler der Saison 2002/03 gewählt.

 

Saison 2002/03

"Memmingens erstes Oberligajahr" - Ein Saisonrückblick am Abend nach dem letzten Spiel

30.03.2003

Weiden/Memmingen (ol); Für die einen geht es jetzt erst richtig los, für die anderen beginnt die Zeit der Regeneration, Entspannung und Planung. Während die acht Spitzenteams der Eishockey Oberliga in den nun ausstehenden Play-Off-Partien den Meister und damit den Aufsteiger in die 2. Bundesliga ermitteln, verabschiedeten sich an diesem Sonntag Abend 12 Mannschaften in die Sommerpause. Die Letztplatzierten der Meisterrunde, Geretsried und Miesbach, sowie die zehn Teilnehmer an der Abstiegsrunde hatten heute ihren vorerst letzten Auftritt. Darunter auch der EHC Memmingen. Auf die Verantwortlichen warten nun harte und kräftezehrende Wochen der Verhandlungen und Planungen. Und daher ist es gut, den Blick nach vorne gerichtet zu halten. Uns aber sei ein kleiner Rückblick erlaubt.

Wie in jedem Jahr so begann für viele Eishockeyvereine Deutschlands schon im Sommer des Jahres 2002 ein weiteres Kapitel "Überlebenskampf pur" Unter der gesamtwirtschaftlichen Problematik in unserem Land hat auch der Sport zu leiden, dessen waren sich die "Macher der Liga" schnell bewusst.

Und auch den Verantwortlichen beim EHC Memmingen war schon bald klar, dass die neu strukturierte Oberliga eine Herausforderung darstellt, die aber aus finanziellen Gesichtspunkten nur schwer zu meistern ist. Zu viele Vereine riskieren Jahr für Jahr einen Tanz auf der Rasierklinge, setzen durch die Zusammenstellung schlagkräftiger, aber teurer Spielerkader ihre Konkurrenten sportlich unter Druck. Diesem Druck geben die sich im Nachteil wägenden Clubs oft nach... und geben dabei dringend notwendige Sparkurse auf.

Nicht aber der EHC Memmingen: Als sich die Herren Mayer, Schnitzler und Beyer im Juni 2002 auf einen strikten Sparkurs für die Saison 2002/2003 einigten, da schafften sie sich mit dieser Entscheidung nicht nur Freunde. Gott sei dan sollte der weitere Verlauf der Saison zeigen, dass die drei Musketiere den richtigen Weg eingeschlagen hatten.

Während nicht nur beim benachbarten Aufsteiger EC Ulm/Neu-Ulm das Geld "reingebuttert" wurde und sich die meisten Ligakonkurrenten auf einfache Spiele gegen den EHC Memmingen" einstellten, ging man beim EHC unbeirrt seinen Weg. Switzer, Eisenlohr und Becherer waren nach Ulm gewechselt, Mike Melas war zuerst in Ravensburg im Gespräch, dann aber in den USA geblieben, Helge Pyka ein Eisbär geworden. Westerkamp ging nach Seib, Gaube nach Stuttgart, Jahrmann nach Salzgitter und "Birne" Weinl zu den Indians.

Es musste eine nahezu komplett neue Mannschaft zunächst auf dem Papier und dann auf dem Eis geformt werden. Zu den Stützen des Teams sollten die Neueinkäufe um und Bobby Nagle werden (wobei die beiden mit herzlich wenig Vorschußlorbeeren bedacht wurden). Zu deren Unterstützung wurde Mike Spadacini verpflichtet und kurz vor Saisonbeginn ein weiterer Unbekannter": Dan Gilbertson.

Die Eishockey-Fachwelt schätzte die Stärke der Memminger Wölfe für die anstehende Saison "so zwischen Platz 7 und 9" ein - selbst die landesweit marktführende Zeitschrift EishockeyNews prophezeite dem EHC eine schwere Saison mit Abstiegssorgen. Kemptens Trainer Carlo Jung meinte, dass Ulm sich am besten verstärkt habe, sein Team sich aber keinesfalls hinter Memmingen oder Ravensburg einreihen lassen wolle.

"Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt". Apropos "anders" - der Spieler mit eben diesem Nachnamen war wieder an Bord und fand beim EHC Memmingen abermals seinen Arbeitgeber. Zusammen mit Marcus Abrahamsson, dem schon in der Vorbereitung zwei herrliche Tore gelangen, sollte Colin der Verteidigung durch Übersicht und Ruhe Stärke verleihen. Zu den Defendern gesellte sich noch Klaus Forster, der aus Kempten in die Maustadt gewechselt war.

Die Achtungserfolge in der Vorbereitungsphase (unter anderem ein 4:2-Erfolg in Füssen) wurden zu Beginn der Vorrunde" schnell Vergangenheit: Dem Auftaktsieg gegen Ulm folgten knappe Niederlagen gegen Geretsried, Peiting, Kempten und Füssen. Viele fühlten sich in ihren geäußerten Bedenken bestärkt und trauten der Mannschaft noch weniger als erwartet zu, vor allem, weil der Kapitän Marcus Abrahamsson nach nur drei Spielen verletzungsbedingt ausfiel (und das für den Rest der Saison!).

Das Personalkarussell begann sich zu drehen: Für den zunächst erfolgreichen, dann aber glücklosen Dan Gilbertson kam Jeremv Garrison. Ein "alter Bekannter" wurde beim EHC vorstellig: Dusan Canik. Von den Selber Wölfen wechselte der junge Ralph Gorges nach Memmingen und als Abrahamsson-Ersatz konnte letztendlich Petr Precan aus Solingen geholt werden.

Der Trainer, Erwin Merath, machte sich über die Grenzen des Allgäus hinaus einen Namen als Motivationskünstler. Ihm gelang es, bei den Spielern Woche für Woche das ganze Potenzial abzurufen, auch wenn der EHC oftmals dem Gegner unterlegen war. Nachdem auch Schmid, Weißenborn (beide nach Kempten) und Forster (nach Dornbirn) gegangen waren, gelang dem EHC eine furiose Aufholjagd: In der Zeit vor und nach Weihnachten gelangen den Wölfen sechs Siege in acht Spielen - bis die Serie von dem direkten Konkurrenten um den fünften Platz, dem TEV Miesbach, gestoppt wurde. Der EHC unterlag zum drillen Mal gegen den TEV mit dem gleichen Ergebnis von 2:6 und begrub damit die Hoffnungen auf einen "Coup" wie in der Vorsaison, als die Aufholjagd mit der Play-Off-Teilnahme gekrönt werden konnte.

So aber musste der EHC am Ende mit dem siebten Platz Vorlieb nehmen, hatte jedoch großen Vorsprung vor den einst stärker eingeschätzten EC Ulm/Neu-Ulm (6 Punkte) und EA Kempten (10 Punkte). Für die Eisbären sollte es die schwärzeste Saison seit langem" werden.

Zahlen sagen nicht immer die volle Wahrheit. Hin und wieder ist ein Blick auf die Statistiken jedoch ganz hilfreich. In den direkten Vergleichen mit den anderen Teams zog sich der EHC Memmingen im Laufe der Saison ganz achtbar aus der Affäre. Wer hätte vor der Spielzeit eine derartige Bilanz erwartet (direkter Vergleich an Erfolgen; in Klammern der Vergleich in der Abstiegsrunde): Gegen Peiting 0:4 (-), gegen Ravensburg 2:2 (1:1), gegen Ulm 4:0 (0:2), gegen Geretsried 2:2 (-) darunter der höchste Heimsieg mit 7:2 -, gegen Kempten 2:2 (1:1), gegen Klostersee 1:3 (-) darunter die höchste Heimniederlage mit 3:8 -, gegen Miesbach 1:3 (-), gegen Augsburg 4:0 (2:0), gegen Füssen 0:4 (-).

Dabei gilt zu berücksichtigen, dass die Memminger als einziges Team der zweiten Tabellenhälfte dem Tabellenführer Peiting so viel abverlangt hatten (z.B. beim denkbar knappen 6:7) und auch den Füssenern in zumindest zwei Partien Paroli bieten konnten (ebenfalls eine 6:7-Heimniederlage). Entscheidend über die (Nicht-)Teilnahme an der Meisterrunde waren wohl die Niederlagen gegen Miesbach (abgesehen davon, dass sich die River Rats und der TEV am Ende "ganz lieb" hatten...).

Schwamm drüber - dachte man sich. Schließlich hatte der EHC das Saisonziel, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben und hin und wieder Derbysiege zu feiern, eigentlich schon erreicht.

Bevor wir ein paar Worte zur Abstiegsrunde verlieren, hier noch einige interessante Zahlen: Der Vorrunden-Torhüter mit den wenigsten Gegentoren der Liga (!) war Ivo Capek (Miesbach) mit 2,59 Gegentoren (Schnitt) in 36 Spielen. Der zum großen Rückhalt der Wölfe avancierte Florian Warkus wurde in dieser Rubrik Siebter (3,17 GT im Schnitt). Ihm gelangen zwei Shutouts, denen er in der Abstiegsrunde zwei weitere folgen ließ.

In der Auswärtstabelle der Vorrunde rangiert der EHC auf dem fünften Platz; in der Gunst der Zuschauer erfreute sich der Verein des dritten Südwest-Liga-Platzes mit durchschnittlich 1044 Zusehern. Statistisch gesehen war das 2. Drittel das schlechteste der Memminger (dafür waren sie gegen Ende der Begegnungen meist richtig gut).

In der Offensivabteilung war Sergejs Boldaveshko bester Memminger. Doch mit "Petr Zajonc Superstar" konnte auch er nicht gemessen werden. Der kleine Wirbelwind in Reihen des EHC Klostersee wurde unangefochtener Scorerkönig der Südwestgruppe mit sagenhaften 83 Punkten (41 Tore und 42 Assists). Sein Kamerad Porak war Zweiter (70 Punkte) und erst mit Abstand folgte Ravensburgs Miklik (56) - ein Ex-Memminger.

Genug der Zahlen. In der Abstiegsrunde setzte es für den EHC Memmingen zunächst drei herbe Dämpfer (1:6, 0:5, 0:2). Allerdings hießen die Gegner Bayreuth (die laut Aussage Erwin Meraths in einer späteren Pressekonferenz, aufgrund der Spielstärke in der Abstiegsrunde nichts zu suchen" hatten), Ravensburg (die sich damals am Leistungszenit befanden) und Hannover Indians (die sich von dieser Saison wohl auch ein wenig mehr versprochen hatten). Dann aber folgten fünf Siege aus sechs Partien.

Nun beendet der EHC Memmingen seine erste Oberliga-Saison auf Platz 5 der Abstiegsrunde (hat also fünf weitere Teams hinter sich gelassen, darunter die enttäuschenden Kemptener Eisbären). Angesichts der Erwartungen war das Auftreten unserer Jungs - von einigen "Ausrutschern" abgesehen - aller Ehren wert.

Quelle: www.ehc-memmingen.de

Das traurige Ende

Für die nächste Saison wollte der Verein den größten Teil des Teams halten, jedoch kam alles anders. Während der Sommerpause erreichte die Fans des EHC Memmingen eine erschreckende Hiobsbotschaft in Form eines Insolvenzantrages, was jedoch schon einige Leute vorraus gesehen haben. Dazu die News von Radio Prima 1 vom 07.05.2003:

"Nach dem gestellten Insolvenzantrag des Oberligisten EHC Memmingen gibt es nur noch eine Hoffnung, dass es weitergeht. In den nächsten Tagen müsste sich eine Betriebsgesellschaft gründen, die die erste Mannschaft übernimmt und mit Lizenzgebühren den Hauptverein entschuldet.
Allerdings: Die Zeit drängt - bis 15. Mai müssen die Lizenzierungsunterlagen für die Oberliga eingereicht werden. Wenn keine Betriebsgesellschaft zustande kommt oder das Memminger Amtsgericht das Insolvenzverfahren nicht eröffnet, bedeutet dies das Aus der "Wölfe".
Der Nachwuchs- und die Damen müssten sich dann einem anderen Memminger Verein anschließen oder einen neuen Eishockeyclub gründen, um weiter spielen zu können.
In beiden Fällen ginge es aber in den untersten Spielklassen."

Nun wurde also eine Betriebsgesellschaft (Wölfe GmbH) mit dem Ziel den EHC Memmingen zu retten gegründet. Außerdem verlängerte die ESBG die Abgabefrist der Lizenzierungsunterlagen. Bis Freitag den 30. Mai musste der noch fehlende Wirtschaftsplan bei der ESBG abgegeben werden. Nach einer möglichen Genehmigung des Insolvenzplans hätten dann noch die Unbedenklichkeitsbescheinigungen vom Finanzamt, Krankenkasse und Berufsgenossenschaft abgegeben werden müssen. Hinzu kam, dass sich Burkhard Stüwe nicht mit den Gesellschaftern einigen konnte und nun doch nicht - wie erst geplant - Geschäftsführer wurde.

Bericht von Prima 1: "Die nächsten Tage stehen weitere Gespräche in Sachen Oberliga-Lizenz zwischen dem EHC Memmingen und der für den Spielbetrieb zuständigen ESBG an. "Das sind weitere Bausteine, wo es ein Schrittchen weitergeht", so Wölfe-Geschäftsführer Bernd Schmid. Endgültiges werden diese Tage aber noch nicht bringen. Für die Gläubigerversammlung des insolventen Vereins gibt es noch keinen Termin. Die Wölfe-GmbH, die künftig den Oberliga-Betrieb organisiert, ist in dieser Woche mit einem Stammkapital von 25.000 Euro ins Handelsregister eingetragen worden. Die Planungen laufen weiter - auch im Bereich Sponsoring. Hier geht Schmid davon aus, dass es Zuwächse geben wird. Der Hauptsponsor, die "Memminger Brauerei", bleibt den "Wölfen" weiter erhalten."

Thomas Korte

Wie man es aus den News herauslesen kann, wurde heftig weitergeplant und einige Spieler verpflichtet. Unter diesen Spielern waren vielversprechende Neuzugänge wie Michael Winnerl (Star Bulls Rosenheim), Rudolf Schmunk (Hannover Indians), Christopher Eisenlohr (EC "Atlantis" Ulm/Neu-Ulm), Jonas Forslund (Gislaveds SK/1. schwedische Division) und Thomas Korte (Augsburger EV 1b). Außerdem wurde der Schwede Magnus Roupé als Trainer verpflichtet, der ein junges und ehrgeiziges Team aufbauen wollte. Er war unter anderem ehemaliger NHL Spieler (bei den Philadelphia Flyers) und DEL Spieler (bei den Eisbären Berlin). Viele EHC Fans waren sich schon ziemlich sicher, dass der EHC die Lizenz erhält da kam plötzlich eine erneute Schreckensnachricht:

"Die Lizenzerteilung für den Oberligisten EHC Memmingen ist nach einer Anhörung vor der Eishockey-Spiel-Betriebsgesellschaft (ESBG) sehr unwahrscheinlich geworden.
Am Montag läuft die Frist für die Einreichung aller notwendigen Unterlagen ab. Der ESBG liegt aber nicht der erforderliche Insolvenzplan vor.
ESBG-Geschäftsführer Helmut Bauer sagte, dass es für Memmingen keine Fristverlängerung geben wird. Während Geschäftsführer Bernd Schmid beteuert, dass alles zur Rettung des Memminger Eishockey getan wurde, erhebt Insolvenz-Gutachter Matthias Dorn schwere Vorwürfe.
Der Insolvenzplan liege seit mehreren Wochen bei Gericht, doch bisher sei von GmbH-Seite nichts mehr passiert. Wenn dem EHC Memmingen die Oberliga-Lizenz verweigert wird, bleiben zwar noch weitere Wege, aber zum jetzigen Zeitpunkt stehen die Chancen schlecht.
Alle Planungen und der geplante Start des Dauerkartenverkaufs wurden von GmbH-Seite sofort gestoppt."

Schließlich bekam Memmingen zur tiefsten Entäuschung aller Fans nicht die Lizenz für die Oberliga :

"Der EHC Memmingen steht vor dem endgültigen Aus.
Nach Auskunft von Bernd Schmid von der Wölfe-GmbH ist es nicht möglich die vorgegebenen, verschiedenen Fristen einzuhalten. Es liege nicht am Geld, wies Schmid eine Prima-1-Meldung zurück, wonach die Finanzierung der Insolvenz gescheitert sei. Der Insolvenz-Gutachter werde nach Schmids Informationen den Insolvenzplan nun aber zurückziehen. Für die EHC-Nachwuchsabteilung und die Damen-Mannschaft bleibt jetzt praktisch nur noch ein Weg.
Der Amateurbereich muss sich den Memminger "Indians" anschließen, um den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Voraussetzung dafür ist nach Verbandsrecht allerdings, dass der EHC selbst aufhört zu existieren.
Der Übertritt des Amateurbereichs zu den "Indians" wird jetzt auf Hochtouren vorbereitet - 80 Prozent der Nachwuchsspieler- und Spielerinnen müssen mitmachen", so Sprecher Peter Gemsjäger.
Die "Wölfe"-GmbH will zur aktuellen Lage aus ihrer Sicht am kommenden Donnerstag gegenüber der Presse noch Stellung nehmen."

Zum Glück konnte sich die Nachwuchs- und Damenmannschaft dem ECDC Memmingen anschliessen und somit gerettet werden. Der EHC Memmingen startete jedoch nicht, wie erst geplant, in der Bezirksliga und wurde später aus dem Vereinsregister gestrichen. Damit ging nach 10 Jahren Existenz der 2. Memminger Eishockeyverein zu Grunde...


Memmingens Fans dürfen weiter hoffen

Datum: 15.05.2003

Memmingen (01); Heute, am 15. Mai, beginnt das Lizensierungsverfahren für alle designierten Teilnehmer an der Eishockey Oberligasaison 2003/2004. Die Turbulenzen beim EHC Memmingen in den letzten Tagen ließen zuweilen Schlimmeres befürchten, doch laut den Aussagen der Beteiligten soll und kann die Lizenz beantragt werden. Das Memminger Publikum wird allem Anschein nach auch in der nächsten Spielzeit Eishockey der dritthöchsten deutschen Spielklasse sehen. Der 'Rettungsgedanke' basiert auf der Gründung einer 'Memminger Wölfe GmbH' - einer Gesellschaft, die das Oberligateam übernimmt. Nebenher wird der Stammverein EHC Memmingen e.V. unter der wirtschaftlichen Führung eines lnsolvenzverwalters langfristig 'saniert'.

Seit Monaten bemühten sich die Verantwortlichen des EHC Memmingen e.V. um die sportliche und finanzielle Sicherung des Vereins, um dann doch 'von der Vergangenheit' und den allgemein schlechten Entwicklungen der Branche eingeholt zu werden. Die Schuldenlast betrage zum gegenwärtigen Zeitpunkt rund 150.000 Euro. In einem lnsolvenzverfahren (das nicht mangels Masse abgelehnt wurde) wird die weitere wirtschaftliche und strukturelle Zukunft des Stammvereins geplant. So bleibt den Memmingern die bewährte Jugendarbeit erhalten, auch die Damenmannschaft kann weiter hoffen.

Die Memminger Wölfe GmbH hingegen beschäftigt sich ausschließlich mit den Belangen der ersten Mannschaft in der Eishockey Oberliga. Sie nimmt sozusagen das Startrecht des Stammvereins wahr, das ansonsten verlorengegangen wäre. Einige Gesellschafter dieser GmbH wollen (noch) nicht genannt werden. Die Verhandlungen laufen zur Stunde noch. Herr Burkhard Stüwe (ehemals Manager der Geretsried River Rats) soll der neue Hauptgesellschafter sein. Mit ihm 'steigen zumindest vier weitere Herren ins Boot' - darunter erfahrene Eishockey- und Wirtschaftsexperten. Auch der bei den Fans beliebte Stefan Schnitzler (2. Vorstand des EHC Memmingen e.V.) ist einer der Gesellschafter.

In einem vielversprechenden Telefonat von gestern Abend bestätigte uns Herr Stüwe seinen Glauben an die Zukunft des Memminger Eishockeys auf Oberliganiveau und daran, die Lizenz heute beantragen zu können. Aufgrund der ausgezeichneten Beziehungen und des guten Rufes, den der EHC Memmingen bei der ESBG genießt, kann man (wie alle anderen auch) einige Anlagen zum Antrag binnen einer Frist nachreichen. Herr Stüwe macht einen seriösen, sehr kompetenten Eindruck. Der 'Medienfreak' und Eishockey-lnsider ist mit Sicherheit der richtige Mann, um in der Maustadt wieder eine Art 'Eishockey-Euphorie' zu entfachen. Sein Steckenpferd sei die 'Kontaktpflege und Nähe zum Publikum, zu den Fans'. Der ehemalige Journalist (er hat auf diesem Gebiet auch studiert) weiß um die Wichtigkeit und Wirksamkeit einer positiven Öffentlichkeitsarbeit und freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit Memmingens Medienvertretern.

Zurück zur Aktualität - Sobald der Gesellschaftervertrag unterzeichnet ist, wird also die Lizenz beantragt. Die ESBG ist über die Entwicklungen in Memmingen informiert worden und zeigt sich sehr kooperativ und verständnisvoll. Einer der 'Neuen' im Gesellschafterteam wird die sportliche Leitung übernehmen. Zeitgleich wird man sich Gedanken über die Mannschaft machen müssen. Wie gestern Abend auf der Homepage der Kemptener Eisbären verkündet wurde, hat Florian Warkus einen Vertrag mit der EAK geschlossen. Wir bedanken uns auf diesem Wege für seine tolle sportliche Leistung, die er dem Memminger Publikum über Jahre hinweg gezeigt hat und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute. Sein Engagement in Kempten kann nur regionale Gründe haben - gegen Ende der abgelaufenen Spielzeit hatte er nämlich weitaus bessere Angebote vorliegen. Die Memminger Wölfe haben die Verhandlungen mit einem Torwart abgeschlossen, zu einem anderen bestehen weit gediehene Kontakte, die es (siehe oben) so schnell wie möglich zu konkretisieren gilt.

Auch im Bereich anderer Neuverpflichtungen hatte der EHC Memmingen e.V. ja schon 'vorgearbeitet'. Die dann aber nicht vermeldeten 'Neuen' stehen weiter im Wort und erwecken auch nicht den Eindruck, wegen der neuesten Entwicklungen davon Abstand zu nehmen.

Wir selbst wären - so wie verständlicherweise die vielen Fans auch - froh, schon bald Fakten zu präsentieren. Damit kann stündlich gerechnet werden. Dennoch gilt zu bedenken: Viele Spieler haben einen Vertrag mit dem EHC Memmingen. Das gilt auch für Trainer Erwin Merath. Mit der Memminger Wölfe GmbH müsste zuerst Einigkeit (in Form von neuen Verträgen) erzielt werden. Einige sind allein schon aus arbeitsgenehmigungs- und aufenthaltsrechtlichen Gründen an die Memminger gebunden (z.B. Sergejs Boldaveshko), andere (wie Kapitän Marcus Abrahamsson) sind mit dem Herzen voll bei der Sache und möchten hebend gern im Dress der Wölfe weiterspielen und dazu beitragen, verloren geglaubte Eishockeyfeste im Eisstadion am Hühnerberg zu feiern.

Quelle: www.bluedevilsfan.de

Abschließend noch ein Interview das am 8. August in der Memminger Zeitung veröffentlicht wurde und anschließend die darauf bezogene Stellungnahme von Helge Pramschüfer, dem 1. Vorstand des ECDC Memmingen:

Mit dem EHC ist nach dem SC im Jahr 1993 erneut ein Eishockeyverein in Memmingen in die Pleite gerutscht. Auch die "Memminger Wölfe GmbH" konnte dies letztlich nicht mehr verhindern. Die MZ sprach mit dem Geschäftsführer der GmbH, Bernd Schmid

MZ: Ist die Kritik an der GmbH berechtigt, die nach dem endgültigen EHC-Aus laut wurde ?

Bernd Schmid: Nein. Die GmbH hat sich personell und materiell um den Erhalt des EHC und um Spielmöglichkeiten bemüht. Es sind von der GmbH 8000 € für den EHC bezahlt worden. Ohne die Zahlungen hätte es kein Insolvenzverfahren, keine Ligenzugehörigkeit für den Verein gegeben. Es ist absurd zu behaupten, die GmbH wäre nicht daran interessiert gewesen, eine Lösung zu finden.

MZ: Peter Gemsjäger, verantwortlich für das Frauen Eishockey, hat sie kräftig kritisiert.

Bernd Schmid: Die Herren Gemsjäger und Tenschert (Juniorenleiter des EHC, Anm. d. Red.) müssen sich fragen lassen, was sie gegen die drohende Insolvenz und zur Bewältigung der Neuorganisation konkret beigetragen haben. Interesse am Erhalt des EHC bestand bei diesen Herren offenbar nicht.

MZ: Haben Sie Gemsjäger und Tenschert bei Gesprächen zur EHC-Zukunft übergangen ?

Bernd Schmid: Herr Gemsjäger wurde in einem Gespräch von mir darauf hingewiesen, dass bei einer Übernahme des Geschäftbetriebes durch die GmbH der Amateurbereich einen eigenen Etat erhält und die GmbH dessen Erhalt vertraglich garantiert. Der Kooperationsvertrag wurde vom EHC und der GmbH unterzeichnet. Herr Gemsjäger wusste das.

MZ:Es sah so aus, als würden die GmbH und der ECDC Memmingen "Indians" kooperieren. Warum kam es zum Zerwürfnis zwischen Ihnen und ECDC-Chef Helge Pramschüfer ?

Bernd Schmid: Wir hatten mündliche Vereinbarungen getroffen, die für Herrn Pramschüfer plötzlich unakzeptabel waren. Mir hat er nicht mitgeteilt, warum dies so ist. Zuvor hatte sich die GmbH darum bemüht, in mehreren Gesprächen mit Herrn Pramschüfer eine Zusammenarbeit zwischen EHC und ECDC und der GmbH zu skizzieren. Bevor Herr Pramschüfer aktiv wurde, hatte ich mich mit dem Eissportverband die Frage des Übergangs der Amateure vom EHC zum ECDC erörtert und bereits mündliche Anträge auf Übertragung für den Amateurbereich des EHC gestellt.

MZ: Wie hätte das Konzept ausgesehen ?

Bernd Schmid: Es umfasste einen Kooperationsvertrag zwischen GmbH und ECDC mit der vollen finanziellen Unterstützung der Wölfe-GmbH für den ECDC. Die bestehenden Sponsorenverträge mit dem EHC mit einem Volumen von 100 000 € sollten auf die GmbH umgeschrieben und zur Verfügung des neuen Vereins gestellt werden. Dies hätte den ECDC auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt.

MZ: Zur Insolvenz: Laut Herrn Gemsjäger habe das Amtsgericht am 11. Juli mitgeteilt, dass es den Insolvenzplan nicht akzeptiere; er sagte, er habe dies viel später vom Verband erfahren.

Bernd Schmid: Das ist unrichtig. Die Mitteilung des Amtsgerichts datiert vom 23. Juli und ist am 24. Juli bei uns eingegangen. Übrigens war nicht die GmbH der Adressat, sondern der EHC bzw. der Insolvenzverwalter

MZ: Insolvenzverwalter Dorn hatte vorgeschlagen, den Gläubigern des EHC 50 000 € sofort anzubieten, um das Verfahren zu verkürzen. Die GmbH bevorzugte eine Ratenzahlung. Warum ?

Bernd Schmid: Wir hatten eine für Insolvenzen übliche Kombination aus Vorauszahlung und Ratenzahlung bevorzugt. Die Gläubiger wären nicht schlechter gestellt worden, und der Verein hätte eine verbesserte Liquidität bekommen. Herr Dorn hatte unser Konzept mitgetragen und sagte uns, dass dies möglich sei. Offenbar war das Gericht anderer Meinung.

Quelle des Interviews: Memminger Zeitung

Stellungnahme von Helge Pramschüfer zum Interview mit Herrn Schmid:

Helge Pramschüfer

Wie immer liegt die Wahrheit wohl in der Mitte. Es sind Fehler von beiden Seiten gemacht wurden. Ich glaube aber, daß sich die GmbH auch im Inneren nie ganz einig war, ob man nun das Oberligaeishockey, das Eishockey an sich oder den EHC retten wollte. Denn die 6 Gesellschaften waren sicherlich auch mit unterschiedlichen Gesichtspunkten in die GmbH eingetreten. Hauptaugenmerk sicherlich die Oberliga, doch nachdem das nicht mehr ging (oder lt. Schmid von den Terminen wohl noch nie ging), hätte man in der GmbH auch überlegen müssen, wohin die Zunkunft gehen soll. Eishockey an sich (Indians oder Neugründung) oder den EHC retten (mit EUR 50.000 für die Bezirksliga). Ich glaube diese Entscheidung hat man wohl nie so ganz für sich im Inneren gefällt.

Kurz die Fakten aus unserer Sicht:

1. Am 24.07. traffen sich die Herren Schmid, Kurz, Magnus Baier und meine Person zu einem weitgehenden Gespräch. Schon hier waren die Gemeinsamkeiten gut erkennenbar und es schien alles auf eine gute Basis hinauszulaufen.

2. Am 28.07. wurde von unserem Vorstand und Herrn Schmid (es waren also 7 Personen dabei) die Ergebnisse der Tagung vom 24.07. bestätigt und nur in den Punkten Vereinsname konnte man es nicht mehr aufrechterhalten (der BEV hatte Herrn Schmid eine Abfuhr für einen neuen Namen erteilt). Der "Indianer" sollte von den Fans umbenannt werden (zu einem späteren Zeitpunkt). Herr Schmid wurde als kaufmänischer Leiter benannt und wäre 1.Vorstand (!!!!) im neuen Verein geworden. Es sprach zwar von irgendwelchen EUR 90.000 Sponsorengeldern, aber Nachweise erbrachte er leider nicht. Auf meine konkreten Fragen in Richtung "Zahlung von Boldi" und "Etat des Nachwuches" (der übrigens beim EHC bei keiner Unterdeckung (also ohne Zuschuß der GmbH gewesen wäre): siehe MV des EHC!!!) wollte er sich nicht festlegen lassen!

3. Es wurde trotzdem eine gemeinsame Pressekonverenz am 30.07. um 15 Uhr vereinbart, die Herr Schmid organisieren wollte.

4. Völlig von der Rolle war ich dann aber, daß ich von Prima1 erfahren mußte, daß die Pressekonverenz nicht stattfinden sollte. Prima1 war nicht mal eingeladen...

5. Auf Nachfrage teilte Herr Schmid mir nun wieder mit, daß er doch nochmals alles mit der GmbH besprechen muß und wir sollten uns erneut treffen. Das wäre dann das 3. Treffen in nur 5 Tagen gewesen, ohne daß sich etwas bewegt hat. Was in aller Welt soll man sich ständig treffen?! Wann wären endlich Taten gefolgt?! Denn die Zeit brannte wie Feuer unter den Nägel, da der Nachwuchs/Damen völlig in der Luft hang.

6. Sicherlich spielte dann natürlich auch eine Rolle, daß wir von sehr vielen Menschen vor Herrn Schmid gewarnt wurden, da er ein "Dampfplauderer" wäre (ist nicht meine Meinung, sondern nur ein Zitat). Und wir als Vorstand konnten uns dem Eindruck auch nicht ganz entziehen.

7. Vielleicht war es ein großer Fehler, wie wir gehandelt haben, vielleicht war es aber auch richtig. Ich denke, man sollte die Zukunft entscheiden lassen. Denn lt. Herrn Schmid, gibt es ja nun keine Möglichkeiten mehr einer Zusammenarbeit. Wobei auch das andere Gesellschafter wieder etwas anderes sehen...


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